Budapest - Sebastian Vettel widmete seinen Sieg noch im Auto dem toten Kollegen Jules Bianchi, auf dem Podium küsste erstmals in diesem Jahr keiner der Silberpfeil-Piloten einen der Pokale. In einem verrückten Ungarn-Rennen mit Pech und Patzern bei WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und dessen Mercedes-Kollege Nico Rosberg gelang Vettel ein historischer Triumph. Mit seinem 41. Grand-Prix-Erfolg zog der Ferrari-Pilot am Sonntag mit Formel-1-Ikone Ayrton Senna gleich.
„Ein unglaublicher Tag“, schwärmte Vettel nach seinem ersten Erfolg beim Großen Preis von Ungarn: „Aber dieser Sieg gehört Jules.“ Nach der Zieldurchfahrt hatte er mit zittriger Stimme gesagt: „Danke Jules. Wir wussten, früher oder später würde er für dieses Team fahren.“ Auch der zweitplatzierte Daniil Kwjat und sein Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo dachten auf dem Podest an Bianchi.
Erstmals seit dem 24. November 2013 stand dort keiner der beiden Mercedes-Stars. Der von der Pole Position gestartete Hamilton kam nicht über Platz sechs hinaus. „Viele Antworten habe ich nicht, ich muss mich beim Team entschuldigen. Ich werde versuchen, das in den nächsten Rennen wieder zurechtzurücken“, sagte der Doppel-Champion. Rosberg landete nach einem Plattfuß kurz vor Schluss nur auf Rang acht.
In der WM-Wertung machte Vettel vor der Sommerpause Boden gut auf das Silberpfeil-Duo. Hamilton bleibt Erster mit 202 Punkten, Rosbergs Rückstand vergrößerte sich (181), Vettel kam etwas heran (160). Sein Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen hatte Pech, als er auf Rang zwei liegend immer langsamer wurde und letztlich ausschied.
Die Szenen auf dem Podium wurden auch durch die Erinnerungen an Bianchi geprägt. Er war vor gut einer Woche mit 25 Jahren an den Folgen seines schrecklichen Unfalls im Oktober 2014 in Japan gestorben und am Dienstag beerdigt worden. Auch Vettel hatte den Sarg getragen. Bianchi kam aus der Ferrari-Schmiede und galt als künftiger Kandidat bei der Scuderia.
Vor dem Rennen hatte die gesamte Formel-1-Gemeinde des am 17. Juli gestorbenen Ex-Piloten gedacht. Es waren bewegende Momente, wie sie die Motorsport-Königsklasse seit den letzten tödlichen Fahrer-Unfällen von Roland Ratzenberger am 30. April 1994 und Senna am Tag darauf nicht mehr erlebt hatte.
Nico Hülkenbergs Force India verlor derweil in der 42. Runde den Frontflügel. Der Emmericher krachte in die Reifenstapel, blieb aber unverletzt.
