Spa-Franchorchamps - Die Formel-1-Rivalität zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Belgien eine neue Stufe erreicht. Nach dem Unfall am Sonntag, bei dem Rosberg den Hinterreifen von Hamilton aufschlitzte, drohte die Mercedes-Führung am Montag mit Konsequenzen. Schon früher gab es brisante Duelle zwischen Teamkollegen.
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Mansell vs. Piquet
(1986, WILLIAMS)
Als zweimaliger Weltmeister beanspruchte Nelson Piquet den Nummer-eins-Status bei Williams. Dass sich der Brasilianer aber mit dem starken Briten Nigel Mansell herumschlagen musste, ärgerte ihn. Die Führungsrolle wollte der Rennstall von Teamchef Frank Williams dem lamentierenden Piquet einfach nicht zugestehen. Das führte dazu, dass der Brasilianer immer wieder süffisant und böse stichelte. Beide Piloten nahmen sich dann gegenseitig so viele Punkte ab, dass 1986 Alain Prost Weltmeister wurde. Die Fehde ging auch später noch weiter. Piquet nannte Mansell schließlich einen „ungebildeten Holzkopf“.
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Senna vs. Prost
(1988 & 1989, MCLAREN)
Vielleicht das rücksichtsloseste aller Duelle. Der emotionale Brasilianer Ayrton Senna (starb 1994 bei einem Rennunfall) gegen den kühlen Franzosen Alain Prost. „Ayrton will mich nicht schlagen, er will mich demütigen, aber das ist seine Schwäche“, analysierte Prost Ende 1988, als sich beide längst als Feindbilder erkannt hatten. Zum Bruch kam es spätestens im April 1989, als der Franzose in Imola ein teaminternes Abkommen von Senna verletzt sah: Wer beim Start die Führung übernahm, dem gehörte die erste Kurve.
Den Klassiker der Karambolage unter Teamkollegen lieferten die McLaren-Piloten beim vorletzten Rennen 1989 in Suzuka. Der Franzose kollidierte mit Senna – der Brasilianer konnte aber weiterfahren. Senna legte dann einen Boxenstopp ein und gewann zunächst das Rennen. Später wurde er aber disqualifiziert, Prost wurde Weltmeister.
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Hamilton vs. Alonso
(2007, MCLAREN)
Fernando Alonso kam als zweimaliger Weltmeister zum Rennstall von Ron Dennis und erlebte, wie dessen Zögling Hamilton eine herausragende Debütsaison hinlegte und vom Neuling zum Profi reifte. Am Ende dieser Extrem-Beziehung hatte McLaren keinen Titel und wegen der Spionageaffäre, bei der Alonso als Kronzeuge auftrat, 100 Millionen Dollar und alle Konstrukteurspunkte verloren. Zum Knall zwischen beiden kam es in Ungarn, als Alonso den Rivalen in der Boxengasse blockierte. Das Missverständnis Alonso/Hamilton wurde zur Zerreißprobe für McLaren. Von der Dauerfehde profitierte Ferrari-Mann Kimi Räikkönen, der am Ende in der WM-Wertung nur einen Zähler Vorsprung auf das spanisch-britische Duo hatte.
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Vettel vs. Webber
(2010, RED BULL)
Am Ende ihrer „Inteam-Feindschaft“ hatten Sebastian Vettel und Mark Webber 16 Doppelerfolge eingefahren – nur Michael Schumacher und Rubens Barrichello (24) sammelten für Ferrari mehr. Doch von mehr als anfänglichem Respekt war die Beziehung nie geprägt. Schon 2010 kam es in der Türkei zum Crash. Nach dem Aussteigen zeigte Vettel einen Vogel – und meinte wohl seinen Teamkollegen.
Die Fehde setzte sich fort. Schließlich war der in der WM besser platzierte Australier in Brasilien verärgert, dass Vettel das vorletzte Saisonrennen in Sao Paulo gewinnen durfte. In Abu Dhabi wurde der Heppenheimer dann sensationell Weltmeister. Unvergessen bleibt Vettels Siegklau in Malaysia 2013, als er die Teamorder missachtete und damit die Eiszeit begann.
