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NWZonline.de Nachrichten Kultur Musik & Konzerte

Humor ist eine todernste Sache

31.12.2015

Oldenburg

Frage: Ihr rappt oft über politische Themen. Was war zuerst da: Hip Hop oder Politik?
Danger Dan: Wir verstehen uns nicht als politische Gruppe, sondern als Hip-Hop-Band. Wir haben kein politisches Programm. Wir sind normale Rapper – aber natürlich alle auch politische Menschen. Und wir setzen uns mit politischen Themen immer wieder auseinander, und das fließt auch in die Musik ein.
Frage: ...mitunter ziemlich deutlich.
Danger Dan: Vielleicht haben wir eine etwas stärkere politische Sozialisierung als andere. Es gibt viele Rapper die rappen zum Beispiel gerne über Schuhe. Damit kenne ich mich nicht aus. Dafür bin ich als Jugendlicher zur Antifa gegangen, und wenn ich heute Zeitung lese, dann interessiere ich mich nicht besonders für den Sportteil, sondern für andere Dinge. Aber trotzdem sind wir keine Politgruppe, sondern in allererster Linie ’ne Band.
Frage: Ihr zitiert Slime, tragt Shirts von Punk-Bands, seid auf dem Plattenlabel der Toten Hosen...
Panik Panzer: Da passt nichts zusammen.
Frage: Fühlt ihr euch denn im Rap überhaupt heimisch?
Panik Panzer: Ich persönlich fühle mich in der Rap-Ecke durchaus zuhause und würde da auch gerne mehr stattfinden, als es momentan der Fall ist. Ich freue mich aber auch, dass wir ein breiteres Publikum haben.

Antilopen Gang

Die Antilopen Gang wurde 2009 gegründet. Die Rap-Gruppe besteht aus Koljah, Panik Panzer und Danger Dan. Das vierte Mitglied, NMZS, nahm sich 2013 das Leben.

Das aktuelle Album der Rheinländer heißt „Aversion“ und ist auf JKP erschienen, dem eigenen Plattenlabel der Toten Hosen. Die Antilopen Gang bezieht in vielen Texten klar Stellung gegen Rassismus, Nationalismus und Homophobie.

Frage: Liegen eure musikalischen Wurzeln eher im Hip Hop oder im Punk?
Panik Panzer: Ich würde sagen: in beidem.
Danger Dan: Stimmt. Es sind tatsächlich musikalische Wurzeln und nicht nur eine Wurzel. Wir haben immer querbeet Sachen gehört. Gerade höre ich zum Beispiel immer traurige Musik und gucke aus dem Fenster.
Koljah: Ich sehe mich schon als Rapper. Aber ich weiß auch nicht, ob man das immer so klar trennen muss. Ich habe auch verschiedene Sachen gehört – allerdings nur Rap und Punk. Es ist nicht so, dass ich Jazz höre.
Danger Dan: Ich könnte dir aber auch ein paar Jazz-Platten geben, die du mögen würdest.
Frage: Ihr positioniert euch gegen Rassismus und Homophobie. Machen euch Phänomene wie Pegida Sorgen?
Danger Dan: Auf jeden Fall. Es ist die gesamte Situation. Es wurden ja in diesem Jahr auch schon mehrere Flüchtlingsheime angezündet. Da merkt man, dass sich was zuspitzt. Ich glaube aber, das sind so abstruse Gefühle, die die Leute leiten. In dem Moment, wo es tatsächlich politisch wird und sich politische Strukturen daraus formen, werden es tatsächlich auch weniger.
Frage: Machen euch denn die Antilopen-Fans denn Hoffnung, die sich mit euren Inhalten identifizieren?
Koljah: Ich glaube nicht, dass alle, die uns hören, auch der gleichen politischen Meinung sind. Das kann man auch wunderbar ausblenden, falsch verstehen oder sich zurecht drehen. Bei „Beate Zschäpe hört U2“ haben sich viele Leute überrascht gezeigt. Langjährige Fans, die dachten, das muss Ironie oder Satire sein. Ich glaube nicht, dass alle die Antilopen Gang aus politischen Gründen hören und dass wir da so einen Einfluss haben.
Panik Panzer: Ich glaube schon, dass wir gerade mit unserem neuen Album mehr agitieren, als wir beabsichtigt haben. Und dass viele junge Leute sich das anhören und dadurch vielleicht auch einen richtigen Impuls mitnehmen in ihrem politischen Interesse.
Danger Dan: Das denke ich auch. Wir haben weder einen pädagogischen noch einen politischen Auftrag. Aber wenn ich jetzt 16 wäre, und in der Schule keine Lust habe mitzuschwimmen und mich anzupassen, dann würde mir ein Lied wie „Outlaws“ bestimmt Mut machen.
Panik Panzer: Alleine dadurch, dass wir wegen „Beate Zschäpe hört U2“ eine Klage von Ken Jebsen bekommen haben, gab es viel Aufmerksamkeit. Ich könnte mir vorstellen, dass jetzt viele Hörer, die sich vielleicht nicht so viel mit Politik beschäftigen, skeptischer werden, wenn ein Freund bei Facebook etwas von KenFM postet.
Koljah: Das überzeugt mich. Ich revidiere meine Antwort zum Teil.
Frage: Kann man als Band politischen Anspruch und Erfolg vereinbaren?
Koljah: Wir zeigen ja gerade, dass es funktioniert. Es gibt auch nicht nur uns. Irgendwie scheint das gerade in die Zeit zu passen. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Gangster-Rap durch ist, dass die Leute da nicht mehr wirklich Bock drauf haben. Und dadurch ist mehr Platz für andere Bands. Erfolgreich zu sein ist durchaus möglich: Gruppen wie Nirvana oder Rage Against The Machine waren auch Mainstream-Bands, die mit einem ganz radikalen Gestus viele Leute erreicht haben.
Frage: Rap in Deutschland ist ja oft chauvinistisch. Stört euch das nicht?
Danger Dan: Ich glaube, dass die deutsche Rapszene nicht nur chauvinistisch ist. Wenn man etwas tiefer gräbt, findet man immer coole Leute. Hip Hop hebt sich nicht komplett vom Rest der Gesellschaft ab – genau wie dort sind im Rap überwiegend Chauvinisten und Idioten unterwegs. Wenn man auf dem Dorf mal in die Kneipe geht, wird man genauso viele Heinis finden, wie auf einem Hip-Hop-Konzert. Aber solche Leute wie Marteria, der zurzeit furchtbar erfolgreich ist, den halte ich nicht für einen Chauvinisten.
Panik Panzer: Es gibt viel, was ich gut finde. Bands, mit denen wir auch immer wieder in Zusammenhang gebracht werden, Zugezogen Maskulin oder Fatoni zum Beispiel. Ich bin aber auch ganz offen für anderen chauvinitischen Rap.
Frage: Habt ihr den Anspruch lustig zu sein oder meint ihr alles todernst?
Koljah: Wir meinen immer alles todernst – auch unsere Witze. Humor ist eine sehr ernste Sache. Vielleicht die ernsteste Sache, die es gibt.
Panik Panzer: Es gibt bei uns beide Seiten – wir können sowohl ein ernstes Stück machen, wir können ein witziges Lied machen und wir können es auch irgendwie verbinden. Das ist alles Teil der Gang, da kann man nicht sagen, es gibt nur eine Richtung. Das aktuelle Album ist vielleicht weniger ironisch oder lustig als frühere Sachen. Aber das liegt an der Situation, in der wir uns befunden haben – wir haben im Jahr zuvor unsere vierte Antilope verloren. Das ist wahrscheinlich der größte Grund, warum es nicht durchgehend witzig ist. Es hat ja aber auch lustige Momente.
Frage: In diesen lustigen Momenten seid ihr meist ironisch. Werdet ihr oft missverstanden?
Panik Panzer: Bestimmt – und ich finde das total spannend. Es gibt viele Leute, die meinen etwas verstanden zu haben, dabei haben aber alle etwas anderes verstanden. Und es amüsiert mich, das zu beobachten und es nicht aufzuklären.
Frage: Ihr spielt meist in Clubs aber auch beim Rock am Ring. Passt ihr überhaupt auf so ein großes Festival?
Koljah: Generell kann man sagen, dass Festivals immer ein Ballungszentrum von Idioten sind – und da ist es auch egal ob es ein Punk-Festival, ein Hip-Hop-Festival oder das Rock am Ring ist. Ich fühle mich da immer unwohl, und würde nie dahin gehen wollen. Aber wenn man als Band da auftritt, muss man ja auch nicht inmitten all dieser Idioten sein. Aber dass ein Festival ein volksfestartiger Humbug ist, ist uns allen klar. Würden wir da nicht ganz viel Geld verdienen, würden wir uns das nicht antun.
Danger Dan: Eine Frage fehlt übrigens noch: ob wir die Kings sind.
Frage: Seid ihr die Kings?
Antilopen: Ja!
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