• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Musik & Konzerte

Hoch, höher, Helene

03.09.2017

Dortmund (dpa) - Helene Fischer tanzt. "Ein Viva la Vida, ein Hoch auf diesen Tag, weil ich das Leben so mag!" schallt es aus den Boxen, es ist eines ihrer Lieder. Es klingt nach Spanien und Sonne.

Die Realität ist aber eine andere. Man ist in Dortmund. Es ist September. Und Deutschlands größter Show-Star steht in einer Räumlichkeit, die den kargen Charme einer Schulsporthalle versprüht. Sie blendet das aus. Ein paar Schritte zurück, dann die Arme hoch. Viva la Vida!

Ziemlich bald dürfte man den Tanz in einem pompöseren Umfeld sehen. Am 12. September beginnt in Hannover die neue Tour von Helene Fischer, sie soll gigantisch werden. So gigantisch, dass man für die Proben die Dortmunder Westfalenhalle und auch Nebenräume - etwa für das Tanztraining - blocken musste. Wenn Helene Fischer kommt, ist nur noch wenig Platz für anderes.

Ich habe mit dieser Show bewusst eine Herausforderung für mich gesucht und habe sie auch bekommen", sagt Fischer im Gespräch. Sie meint damit auch die körperlichen Strapazen. Denn: Die neue Produktion entsteht in Zusammenarbeit mit Akrobaten von Cirque du Soleil. Fischer muss durch die Luft wirbeln, springen und an Seilen fliegen. Dafür braucht sie Kraft, vor allem auch in den Armen. "Ehrlich gesagt habe ich mich immer ein wenig zurückgehalten, viele Klimmzüge und Bizeps-Übungen zu machen, da ich dazu neige, schnell Muskeln - vor allem im Oberkörper - aufzubauen", sagt sie. Aber nun müsse das sein. "Gerade jetzt habe ich nahezu täglich mit anderem Muskelkater zu kämpfen.

In der Westfalenhalle steht eine 26 Meter breite Riesen-Bühne. Vormittags sind Artistik-Proben, nachmittags spielt dort die Band, am Abend gibt es Einzelproben und in der Nacht läuft die Lichtprogrammierung. Parallel wird im Tanzstudio geschwitzt und in einer eigens eingerichteten Schneiderei an Kostümen gebastelt. Sogar ein Physiotherapeut wurde engagiert. Es ist ein bisschen so, als ob sich die Nationalmannschaft auf eine WM vorbereitet.

Vielfach wurde die Technik extra für die Show angefertigt. Allein rund 110 Tonnen hängen an der Decke. "Das ist alles extrem aufwendig. Wir haben allein 33 Trucks, die das Material zwischen den Tour-Orten bewegen", sagt Alexander Spengler, verantwortlich für die technischen Abläufe. Er hat Fischer seit dem Anfang ihrer Karriere begleitet. "Man kann sagen, dass sich die Produktionsgröße von Tour zu Tour verdoppelt hat. Das ist eine ganz steile Kurve."

An den Stationen soll der Aufbau rund 30 Stunden dauern, viel mehr als bei anderen deutschen Produktionen. Dafür bleibt allerdings auch alles länger stehen als normal. Fischer tritt nicht jeden Tag in einer anderen Stadt auf - sie gastiert immer gleich eine ganze Woche. Vermutlich würde sich kein anderer deutscher Musiker so eine Zugkraft zutrauen. Auch wenn es noch Karten zu kaufen gibt.

Viele kluge Leute haben sich in den vergangenen Jahren auf die Suche nach den Gründen für ihren Erfolg begeben. Nüchtern betrachtet kann man sagen: Sie hat Talent, arbeitet hart und trifft kluge Entscheidungen. Und sie hat Hits wie "Atemlos durch die Nacht". Wer es feuilletonistischer mag, kann sie als perfekte Pop-Künstlerin der Merkel-Jahre sehen: unaufgeregt, skandalfrei, diszipliniert. Alles Irritierende perlt an ihr ab. Gut, es gab Pfiffe während ihrer Show beim DFB-Pokalfinale. Aber selbst da setzte sich schnell die Lesart durch, dass sie nicht Helene, sondern der Voll-Eventisierung des Fußballs an sich galten.

Es ist allerdings auch ein schmaler Grat. Die Deutschen mögen Perfektion, aber keine Stars aus einem anderen Universum. Und dann so ein Gigantismus? "Es ist eine große Bühne, aber sie soll zugleich intim wirken, also klein", besänftigt Omar Sharif Mukhtar, der sich die neue Show ausgedacht hat. Entscheidender Satz: "Helene will nah an den Leuten sein, sie nicht verlieren."

Der Brite spricht zwar nicht die Sprache, in der Fischer singt, hat aber Visionen. Man feiere mit der Show auch ihre Karriere, die gerade einen Höhepunkt erreicht habe. "Sie hat Deutschland erobert. Wir wollen ihr helfen noch einen Schritt weiter zu gehen. Sie kann noch mehr erobern, nicht nur Europa."

Helene Fischer allerdings argumentiert eher im Hier und Jetzt. "Ich bin jetzt 33 Jahre alt. Ich weiß nicht, ob ich diese Art von Show in zehn Jahren auch noch machen möchte. Daher ist das jetzt genau der richtige Zeitpunkt." Fast 70 Shows wird sie spielen. Und dann noch eine Stadion-Tour. Und danach? "Ich glaube, dann mach' ich erstmal Urlaub", sagt sie.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.