STUTTGART - Nigel Spivey: „Wie Kunst die Welt erschuf“. Aus dem Englischen von Ursula Blank-Sangmeister. Reclam Verlag, Ditzingen, 288 Seiten, 133 Abbildungen, 29,90 Euro.

Von Reinhard tschapke

STUTTGART - Friedrich Schiller hielt sie für die rechte Hand der Natur, George Bernard Shaw für die reinste Form der Liebe, Karl Marx verglich sie mit einem Hammer, Wilhelm Busch traute ihr nur die Verzierung der Welt zu.

Die Rede ist von Kunst, und was wir darunter verstehen.

Nun darf heute Künstler sein, wer immer Künstler sein will. Und alles, was Kunst sein soll, darf Kunst sein – auch wenn wir, wie leider so oft bei moderner Kunst, jemand brauchen, der daneben steht und uns Unverständigen und naturgemäß Ungebildeten erklärt, das sei nun eben moderne Kunst, und wir hätten sie doch bitte zu verstehen.

Nigel Spivey ist auch so eine Art Erklärer. Aber der britische Kulturgeschichtler ist noch viel mehr. In seinem Werk „Wie Kunst die Welt erschuf“ erzählt er in acht äußerst lesenswerten Kapiteln die Geschichte der Kunst aus ihren spannenden welthistorischen Anfängen heraus: von 30 000 Jahre alten Höhlenmalereien über Aborigines-Werke bis zu ägyptischen, griechischen und römischen Werken geht es wunderbar lesbar wie bei einer feinen Rundreise voran.

Das ist überhaupt das Prächtige an diesem durch und durch zu rühmenden Buch: Nigel Spivey ist tiefgelehrt, kommt aber immer verständlich daher.

Er ist kein gebildeter Wichtigtuer, sondern ein großer Erzähler von aufregenden Geschichten. Er schreibt nicht von Fachmann zu Fachmann, sondern berichtet für alle, die lesen können.

So bereitet der mit Liebe bebilderte und gut gestaltete Band dem Kenner ungemeine Freude und den Laien fasziniert er gewiss.

Und natürlich ehrt es die Deutschen, dass der britische Autor und Fernseh-Moderator sich an einem deutschen Künstler orientiert, an Joseph Beuys (1921–1986), der es einst als Hochschullehrer rigoros ablehnte, die zahlreichen Interessenten an seinen Kunstkursen zurückzuweisen, der dafür sogar von der Düsseldorfer Hochschule flog, aber zuvor noch an die Tafel des Hörsaals schrieb: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“