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Versunkene Welt der Briefe

12.01.2007

Im Zeitalter von E-Mail und SMS sind zu Papier gebrachte Briefe fast schon museal geworden. Und weil Papier nicht nur geduldig, sondern auch dauerhafter als virtuelle Telekommunikation ist, liefern erhaltene Briefwechsel detaillierte Einblicke in Lebensläufe und Beziehungsgeflechte. Beispielsweise korrespondierte Gottfried Benn bis an sein Lebensende mit Thea Sternheim, der Frau des Dramatikers Carl Sternheim. Zusammen mit Tagebuchaufzeichnungen Thea Sternheims ergibt diese Korrespondenz ein literaturgeschichtliches Dokument ersten Ranges. (Gottfried Benn/Thea Sternheim: „Briefwechsel und Aufzeichnungen“, dtv 13469, 16,50 Euro.)

Im Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und dem gleichaltrigen Komponisten Hans Werner Henze wird das erkennbar, was sich mit einem leider antiquierten Wort als Seelenverwandtschaft bezeichnen ließe: Die Lyrikerin sagte mit Worten, was der Komponist in Musik ausdrückte. „Wir sind da, um kreativ zu sein, das ist die heilige Wahrheit, alles andere ist unwichtig.“ (Ingeborg Bachmann/Hans Werner Henze: „Briefe einer Freundschaft, Serie Piper 4713, 12 Euro.)

Wenn wie im Fall Herman Melvilles („Moby Dick“) autobiografisches Material nur spärlich vorhanden ist, sind Briefe für die Konstruktion einer Biografie von besonderer Bedeutung. Herausgeber Daniel Göske hat Briefe, Tagebücher und verstreute Aufzeichnungen zu einer Chronik zusammengestellt und mit Kommentaren verknüpft. Das Zusammenspiel ergibt immerhin eine Ahnung dieses rätselhaften Dichterlebens. (Herman Melville: „Ein Leben. Briefe und Tagebücher“, btb 73105, 12,50 Euro.)

Die von Roger Willemsen besorgte Anthologie zum Thema Suizid versammelt theoretische und literarische Texte, aber auch Abschiedsbriefe bekannter (Kleist, Grillparzer) und unbekannter Selbstmörder, und es sind besonders diese Briefe anonymer Durchschnittsmenschen, die in ihrer Schlichtheit erschüttern. (Roger Willemsen (Hg.): „Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte“, Fischer TB 17198, 9,95 Euro.)

Schließlich wäre da noch der Brief als literarisches Stilmittel, meisterhaft eingesetzt in Marcelle Sauvageots suggestivem Text: Ein Mann trennt sich von seiner Geliebten, um eine andere zu heiraten; die Geliebte versucht, den Schock zu überwinden, indem sie einen langen Brief schreibt, der nie abgeschickt wird. (Marcelle Sauvageot: „Fast ganz die Deine“, dtv 13510, 6,50 Euro.)

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