WILHELMSHAVEN - Der „doppelschneidige Schlächter“ kam ganz schön ins Schwitzen, als er sich mit zwei Schwertern gleichzeitig gegen Rädelsführer und Söldner zur Wehr setzte. Wer als einfacher Zuschauer am Sonnabend und Sonntag auf dem Pumpwerk-Gelände in Wilhelmshaven die Zeitreise zurück ins Mittelalter antrat, bibberte eher vor Kälte als in der Furcht vor den fürchterlichen Fehden vergangener Tage.
Alte Tracht schützt
Lediglich die in alte Tracht „Gewandeten“ auf dem Platz schienen beim mittelalterlichen Markt gegen den kalten Wind gefeit zu sein. Den gab es schließlich auch schon im finstersten Mittelalter, genauso wie köstlichen Met, um sich wenigstens innerlich zu wärmen.
„Nox Phantasiae“, zu deutsch Nacht der Fantasie, hieß die Veranstaltung, die vor allem Mittelalterfans zum Pumpwerk lockte – am Samstagabend in erster Linie ins Pumpwerk, wo Bands sie mit mittelalterlichen Klängen unterhielten.
Nachdem die Besucher von „Off Limits“ und ihrem RockFolk, dessen Sound vor allem durch spritzige Violinenpassagen im Ohr bleibt, in Stimmung gebracht worden waren, heizten ihnen die fünf Musiker von „punchnjudy“ ein. Eine Mischung aus Rock, Metal, Mittelalter und Folk zog nicht zuletzt wegen eines treibenden Akkordeons fast alle auf die Tanzfläche.
Höhepunkt der Veranstaltung war zweifelsohne die Band „Rabenschrey“. Der gebürtige Bremer Donar von Rabenschrey erwies sich als Multitalent. Er ist nicht nur Sänger der Band, sondern eröffnete den Auftritt auch mit einem Digeridoo, stieg bald auf verschiedene irische Flöten um und griff später sogar zur Mundharmonika. Die Songs für die Gruppe schreibt er ebenfalls selbst.
Nicht nur bei dem Cover der Pippi-Langstrumpf-Melodie, die bei den fünf Jungs „Hey wir sind Heiden“ heißt, bewies das Publikum äußerste Textsicherheit. Die Gruppe ist inzwischen nicht nur in der regionalen Szene bekannt, sondern tritt deutschlandweit, in der Schweiz und in Österreich auf und hat bei den deutschen Fans spätestens seit dem Wacken-Auftritt, einem Open- Air-Festival in Schleswig-Holstein, einen Stein im Brett.
Feuerkünstler heizen ein
Den Sound der Wuppertaler kann man sich als Mischung aus den Bands „In Extremo“, „Subway to Sally“ und „Rammstein“ vorstellen, die sich jedoch ständig weiterentwickelt. Ende April erscheint das erste Live-Album, auf das die Band jetzt schon sehr stolz ist.
In den Umbaupausen waren dann wieder die „Söldner von Famra“ in ihren Rüstungen mit spektakulären Kämpfen gern gesehen. Bevor es auf den Heimweg ging, heizten die Feuerkünstler von „Danse Infernale“ den Schaulustigen mit ihrer Show noch ein letztes Mal richtig ein.
