WILHELMSHAVEN - „So – frisch aus dem Wasser gefischt – sehen die halben Kinder zum Erbarmen kläglich aus: leichenblass, stoppelig, barfuß, die nassen Sachen an ihre mageren Leiber geklitscht.“ Was Lothar-Günther Buchheim als junger Kriegsberichterstatter auf „U 96“ beobachtet und später in einem Buch beschrieben hat, lässt von der „Faszination U-Bootkrieg“ so gar nichts übrig. Eine Mine hat das U-Boot erwischt, ein Fliegerangriff der verwundeten Stahlröhre den Rest gegeben. „U 96“ hat wie durch ein Wunder nichts abbekommen und nimmt die überlebenden Kameraden auf. Eindrucksvoll hat Buchheim die geretteten U-Bootfahrer an Deck mit seiner Kamera festgehalten.
Die Schwarz-weiß-Fotos verfehlen wie die übrigen Aufnahmen der Sonderausstellung „Das Boot – Die Fotografien“ im Deutschen Marinemuseum ihre Wirkung nicht: Sie gehen unter die Haut, lassen einen teilhaben am Schicksal der Männer und oft genug auch schaudern. Dabei verzichtet die Ausstellung auf knallige Effekte, Original-Exponate oder die sonst üblichen Modelle.
Buchheims Fotografien, die während der siebten Feindfahrt von „U 96“ 1941 entstanden sind, sowie Zitate aus seinen Büchern wirken ganz für sich. Die Enge des U-Boots, die Weite des Meeres und des Himmels, aber besonders die Gesichter der Männer um den „Alten“, Kapitänleutnant Heinrich Lehmann-Willenbrock.
Die meisten Besucher werden ohnehin das 1973 erschienene Buchheim-Buch „Das Boot“ oder den gleichnamigen Film (1981) von Wolfgang Petersen in Erinnerung haben. Den mochte der 2007 verstorbene Buchheim in der eher actionreichen Kino-Fassung gar nicht, erzählt Dr. Clelia Segieth, Kuratorin des Buchheim Museums. Es hätten ihm vor allem die vielen „Gammel“-Szenen des Buchs gefehlt – Stunden und Tage des Wartens, Zeit, in denen nichts passierte und die mit den Männern doch allerhand anstellte.
Dr. Segieth arbeitete seit 1995 für den Maler, Fotografen, Verleger, Kunstbuch- und Romanautor, Filmemacher und Sammler Lothar-Günther Buchheim und kann viel erzählen über den als eigensinnig bekannten Mann. „Er war ja kein Bildberichterstatter bei der Marine, sondern sollte als Künstler Szenen an Bord zeichnen oder malen. Das jedoch ließen die Umstände meist gar nicht zu.“ So habe er immer häufiger zur Kamera gegriffen und fotografiert. „All das waren für den nach außen raubeinigen, aber hochsensiblen Buchheim Instrumente der Selbstbehauptung während des Kriegs“, vermutet die Kuratorin.
In Archiven fanden sind rund 5000 Fotografien auf Kontaktbögen, die weder datiert noch näher bezeichnet waren, erzählte sie bei der Eröffnung der Sonderausstellung. „Viele der Fotografien waren noch nicht publiziert. Außerdem fanden sich ausführliche Fotosequenzen von Ereignissen, die bislang nur durch einige wenige Fotografien überliefert waren.“ So wie die Aufnahmen, die bei einem Wasserbombenangriff in der Zentrale des U-Boots entstanden sind. Alle verwackelt – wen wunderts bei in der Nähe des Bootes detonierenden Bomben.
Erfreut zeigte sich Dr. Stephan Huck, jetzt offiziell Museumsleiter (und nicht mehr „nur“ Geschäftsführer) des Marinemuseums, dass sein Haus nun 50 ausgewählte Aufnahmen präsentieren kann. „Das Marinemuseum ist der ideale Ort, um die Fotografien Buchheims zu zeigen.“
Stolz darauf ist auch Konteradmiral a.D. Gottfried Hoch, Vorsitzender der Stiftung Deutsches Marinemuseum. Wie so viele ist auch er fasziniert von „Das Boot“. Und von der Filmmusik von Klaus Doldinger. „Leider hat es bislang nicht geklappt, ihn mit seiner Band im Rahmen der Sonderausstellung nach Wilhelmshaven zu holen. Es fehlt uns noch ein starker Sponsor“, so Hoch.
Aber bis zum 30. Juni – so lange ist „Das Boot – Die Fotografien“ zu sehen, bleibt ja noch ein wenig Zeit.
