WILHELMSHAVEN - „Nur aus der Geschichte verstehen wir die Zukunft und können sie positiv gestalten“. Mit diesen Worten begründete Dr. Matthias Nistal vom Staatsarchiv Oldenburg, warum es Sinn macht, manchmal auch gegen den Widerstand „brauner Spurenverwischer“, die NS-Zeit auf lokaler Ebene aufzuarbeiten.

Das hat Ulrich Räcker-Wellnitz, Leiter des Wilhelmshavener Stadtarchivs, mit dem Band 1 der „Wilhelmshavener Beiträge zur Stadt und Kulturgeschichte“ getan. Er trägt den Titel „Das Lager ist wichtiger als der Lohn – Arbeiterunterkünfte in Wilhelmshaven von 1933 bis 1945“, ist bei der Brune-Mettcker Druck- und Verlagsgesellschaft mbH erschienen und wurde am Dienstag in der Stadtbücherei vorgestellt.

Oberbürgermeister Eberhard Menzel sagte, die „Beiträge zur Stadt- und Kulturgeschichte“ seien eine Plattform, ein Forum für wissenschaftliche Arbeiten, auf dem sich auch „öffentliche Diskussionen“ niederschlagen könnten. „An Themen“, so Menzel, „herrscht kein Mangel.“ Was die Weiterführung der Stadtgeschichte betrifft, ortete er einige „weiße Flecken“. Er sei zuversichtlich, dass sie beseitigt werden.

In seiner Würdigung des Buchs schlug Archivdirektor Dr. Nistal einen Bogen von den Baracken für die Menschen, die ab 1854 den Kriegshafen und die Stadt aufgebaut haben, bis zu jenen 50 Arbeits- oder Arbeiterlagern in Wilhelmshaven, in denen Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Gefangene lebten oder auch starben.

Er wisse aus Erfahrung, wie schwierig es ist, die NS-Zeit aufzuarbeiten. Nicht alle seien kooperativ, oft werde versucht, mit dem Argument, „das hat alles der Engländer geholt“, zu vertuschen. Er gratulierte Ulrich Räcker-Wellnitz zu seinem Buch, weil es „eine Lücke geschlossen“ habe in einer Angelegenheit, die dem Autor eigenen Worten zufolge „unter den Nägeln gebrannt hat“.

Dass der Inhalt des Buches selbst gebürtige Jadestädter überrascht, das ging aus den Worten von Dr. Stephan Kolschen hervor. Der Verlagsleiter von Brune-Mettcker sprach dem Autor seine Anerkennung aus und sagte über das Buch, dass es ihm eine Sicht nähergebracht habe, „die ich bislang nicht kannte.“

„Das Lager ist wichtiger als der Lohn. Arbeiterunterkünfte in Wilhelmshaven 1933 bis 1945.“ in der Reihe Wilhelmshavener Beiträge zur Stadt- und Kulturgeschichte kostet 16,80 Euro.