Hannover/Berlin - Der angekündigte Wechsel von Staatsminister Eckart von Klaeden (CDU) in die Wirtschaft sorgt bei den Christdemokraten in Niedersachsen für helle Empörung. „Es ist bedauerlich, dass er diesen Schritt geht“, sagte Landtagsfraktionschef Björn Thümler (Berne) dieser Zeitung. „Wir danken ihm für die langjährige Arbeit“, erklärte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen).
Hinter vorgehaltener Hand fanden CDU-Politiker allerdings deutlichere Worte. „Für die Region Südniedersachsen ist das ein Desaster“, sagte ein Abgeordneter. „Vier Monate vor der Bundestagswahl ist das schon ein bemerkenswerter Schritt“, meinte ein anderer süffisant. Von Klaeden bereite sich selbst und der CDU große Probleme.
Der Staatsminister im Bundeskanzleramt hatte am Dienstag seinen Wechsel zum Autobauer Daimler bekanntgegeben. Dort soll der 47-Jährige zum Jahreswechsel Leiter des Bereichs Politik und Außenbeziehungen werden. Für die CDU in Niedersachsen ist das besonders brisant, weil von Klaeden auf der Landesliste für die Bundestagswahl an Nummer zwei stand. Für seinen Wahlkreis Hildesheim ist dieser Platz damit verloren, die anderen Kandidaten auf der Liste rücken auf. Stephan Albani aus dem Wahlkreis Oldenburg/Ammerland etwa rutscht auf Platz fünf vor. Zudem hatte von Klaeden erst vor wenigen Monaten eine Kampfkandidatur um den Hildesheimer Bezirksvorsitz gegen Ex-Innenminister Uwe Schünemann gewonnen. „Das hätte man sich ersparen können“, kommentierte ein verärgerter CDU-Politiker.
Die CDU-Landesspitze ist ohnehin nicht gut auf von Klaeden zu sprechen, weil sie ihm eine Mitschuld an der Niederlage bei der Landtagswahl gibt. Nach parteiinternen Pannen konnte im Wahlkreis Hildesheim-Land kein CDU-Kandidat antreten. Ein sicher geglaubtes Direktmandat ging verloren. „Sonst wäre David McAllister noch Ministerpräsident“, hieß es. In Hildesheim wurde jetzt auch die Aufstellung des CDU-Oberbürgermeisterkandidaten wegen einer Panne annulliert.
In Berlin verteidigte derweil Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Klaeden gegen Angriffe der Opposition. SPD und Linkspartei forderten wegen des Verdachts der Interessensverquickung die sofortige Entlassung des Staatsministers, der für die Kontakte zum Bundestag und zu den Bundesländern zuständig ist. Von Klaeden habe sehr gute Arbeit geleistet und werde das auch weiter tun, betonte die Kanzlerin.
