ACHIM/HANNOVER - Die SPD in Niedersachsen stürzt tiefer in die Krise. Landeschef Garrelt Duin kündigte am Freitag überraschend seinen Rückzug aus der Landespolitik an. Duin erklärte, er werde sein Amt aufgeben und beim Landesparteitag im Mai nicht wieder kandidieren. Der 41-jährige Ostfriese wurde als Herausforderer von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) für die nächste Landtagswahl 2013 gehandelt. Nun wolle er einen Neustart an der Spitze der Landespartei ermöglichen und sich als Bundestagsabgeordneter stärker in Berlin engagieren, teilte Duin in einem Brief an Parteifreunde mit. Er räumte Fehler ein und sagte, er habe die Erwartungen der Partei nicht erfüllen können.

Parteifreunde überrascht

Für viele Sozialdemokraten kam die Entscheidung unerwartet. Mögliche Kandidaten für die Nachfolge sollen sich am 13. Februar bei einer Sitzung des Parteirats bewerben. Im Gespräch als neuer Landeschef sind Parteivize Olaf Lies (Sande) und Hannovers Bezirkschef Stefan Schostok. Genannt wird auch der Braunschweiger Bezirkschef Hubertus Heil. „Ausschließen will ich gar nichts“, sagte Lies der NWZ . Auch Schostok signalisierte sein Interesse.

Bei der Klausur des SPD-Landesvorstandes am Freitagnachmittag in Achim (Kreis Verden) wirkte Duin gefasst und beinahe erleichtert. Seine Entscheidung begründete er mit dem schwierigen „Spagat“ zwischen Hannover und Berlin. Intern nahmen es ihm viele Parteifreunde übel, dass er nicht zur Landtagswahl vor zwei Jahren angetreten war. In der Partei gab es auch seit langem Zweifel an seiner Führungsstärke. Duin will sich stärker auf sein Bundestagsmandat konzentrieren. In der Bundespolitik ist er als wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion und Sprecher des „Seeheimer Kreises“ engagiert, der den rechten SPD-Flügel repräsentiert.

Neuer Bezirksvorsitzender

Duin gibt auch den Vorsitz des SPD-Bezirks Weser-Ems auf. Als Favoritin für die Nachfolge gilt die Landtagsabgeordnete Johanne Modder (Bunde). Der Bezirksvorstand entscheidet darüber bei einer Sondersitzung am kommenden Dienstag.

Niedersachsens CDU-Landeschef David McAllister rechnet nun mit einem stärkeren Linkskurs der Sozialdemokraten. Mit Duin trete innerhalb des SPD-Landesverbandes „der letzte prominente Gegner“ von SPD-Bündnissen mit den Linken ab.

Kommentar, S.4

Hintergrund, S.5