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FRAGE:
Weltweit werden die Menschen älter – welche Konsequenzen hat das in Entwicklungsländern?
BÜNTE
: Die Gesundheitspolitik und auch die internationale Entwicklungspolitik hat das Problem des demografischen Wandels noch nicht begriffen. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Politik meist noch auf die Behandlung ansteckender Krankheiten, wie Aids und HIV, ausgerichtet ist, oder auf die Mutter-Kind-Behandlung. Bei der größer werdenden Zahl älterer Menschen nehmen aber chronische Krankheiten zu. Dasselbe gilt für Seh- oder Mobilitätsprobleme. In vielen Ländern gibt es auf diese Herausforderungen noch gar keine Antworten. Die Älteren und ihre Probleme werden in ihren Ländern nicht wahrgenommen, sie sind wie ein weißer Fleck. Man kann von Diskriminierung sprechen. In vielen Ländern ziehen die Jüngeren von zu Hause weg, um Jobs zu finden. Sie verdienen aber nicht so gut, dass sie auch ihre Familien unterstützen könnten.
FRAGE:
Wie gravierend ist denn das Problem des demografischen Wandels in den Entwicklungsländern?
BÜNTE
: Für das Jahr 2050 können wir vorhersagen, dass 80 Prozent der älteren Menschen auf der Welt in Entwicklungs- und Schwellenländern leben werden. Damit wird es erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen im Alter von 60 Jahren oder älter geben als Kinder. Heute sind es etwa 66 Prozent. Dieser Trend ist ganz eindeutig in vielen Ländern Asiens oder Lateinamerikas zu sehen. In Afrika haben wir in gewisser Weise noch eine abweichende Entwicklung, weil dieser Kontinent im Vergleich noch die jüngste Population hat.
FRAGE:
Welche Konsequenzen sollte das für die Entwicklungspolitik der Bundesregierung haben?
BÜNTE
: Die Entwicklungspolitik muss sich generell mehr auf das Problem einer alternden Gesellschaft einstellen. Das hat zum Beispiel Auswirkungen, wenn man sich Projekte anschaut, die die Entwicklung des ländlichen Raumes fördern. Wenn es zunehmend ältere Menschen sind, die dort arbeiten, muss man mit entsprechenden Einschränkungen rechnen.
Michael Bünte
ist Geschäftsführer der entwicklungspolitischen Organisation „HelpAge“ in Osnabrück. Der Weltgesundheitstag am Sonnabend steht unter dem Motto „Gesundheit und Altern“, inwieweit sich Schwellenländer auf den demografischen Wandel einstellen müssen. @ Infos unter