Hannover - In Niedersachsen werden zu viele Antibiotika verschrieben. Das Land liegt im Bundesvergleich in der Spitzengruppe. Weil dadurch Krankheitskeime zunehmend resistenter werden, will das Gesundheitsministerium jetzt einer Aufklärungskampagne für Ärzte und Patienten starten. Ziel ist es vor allem, den Einsatz von so genanten Breitbandantibiotika stark einzuschränken.
Nach Angaben von Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) sieht der Fünf-Punkte-Plan vor, dass Ärzte über eine Fortbildungsinitiative und eine Antibiotika-Fibel geschult sowie Patienten über eine Kampagne in Arztpraxen und Apotheken informiert werden.
„Antibiotika müssen wirksam bleiben“, sagte Özkan am Montag in Hannover. Ihr Einsatz bei Tieren müsse deshalb auf ein Mindestmaß reduziert werden. „Wir würden es begrüßen, wenn bestimmte Antibiotika nur noch im Humanbereich eingesetzt werden“, sagte der Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen, Gisbert Voigt. Er forderte die Ärzte auf, sparsamer mit der Verschreibung von Antibiotika umzugehen. Zur Sicherheit verordneten Ärzte das Medikament lieber zu häufig als zu selten.
Der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, kritisierte den Umgang der Ärzte mit Breitbandantibiotika, die eigentlich nur für schwere Erkrankungen gedacht seien. Sie würden zu häufig bei banalen Krankheiten verschrieben. Nach Angaben von Pulz steigt die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika bedrohlich an. Das betreffe inzwischen auch eigentlich harmlos Darmbakterien.
Die Landtags-SPD warf Özkan vor, das Thema für den Wahlkampf zu missbrauchen. Grüne und Linke forderten die Ministerin auf, vor allem den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast zu senken. Özkans Pläne seien „überfällig und ungenügend“, hieß es.
