Braunschweig - Ein dramatischer Weckruf: „Wir steuern auf eine regelrechte Resistenz-Krise zu“, schlägt Mark Brönstrup vom Braunschweiger Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI), dem weltweit führenden Institut, Alarm. Schon in einigen Jahren wird es immer mehr Patienten geben, die auf keine Antibiotika ansprechen. „Die Resistenz steigt, obwohl immer mehr Antibiotika auf den Markt kommen“, berichtet er.

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Die Folge: „Viele Tote in den Kliniken“, prognostiziert der niedersächsische Forscher, der weiter von Hunderttausenden Patienten ausgeht, die zunehmend eine Immunität gegen jede Form von Antibiotika entwickeln. „Es wird viel zu wenig geforscht. Wir brauchen ein koordiniertes Vorgehen in ganz Europa“, fordert der HZI-Experte bei einem Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in dem Institut.

Nicht nur fehlende beziehungsweise wirkungslose Medikamente macht der HZI-Wissenschaftler Michael Manns als Ursache für die sich anbahnende lebensbedrohliche Resistenz-Krise aus. „Auch eine Übertherapie mit Antibiotika führt zu Resistenzen“, warnt Manns. Die Medizin müsse wegkommen von dem Prinzip „eine Pille für alle und in schweren Fällen drei Pillen am Tag“, betont der Mediziner. „Wir müssen in Zukunft auf eine individualisierte Medizin setzen“, fordert Manns, der künftig nur noch „Therapieplänen, ganz auf den Einzelnen abgestimmt“, eine Chance gibt.

Ministerpräsident Weil nimmt den Alarmruf ernst. Die Strategie der Landesregierung, den Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft massiv zu senken, „erweist sich als der richtige Weg“, sagt er der NWZ. Das Resistenzproblem sei „eine fundamentale Frage für die Menschen“, erklärt Weil. „Niedersachsen wird deshalb noch weiter den Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft bei Tieren herunterfahren“, kündigt er an.