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Asyldebatte Mauro Manuels Los bewegt Niederlande

Thomas Burmeister

AMSTERDAM - Mauro Manuel ist erst 18 und hat schon mehr als 2000 Facebook-Freunde. „Mauro muss bleiben!“, fordern gar mehr als 50 000 Menschen in einer Petition. Und laut Umfragen wollen fast drei Viertel aller Niederländer, dass der junge Schwarze mit den traurig-sanften Augen nicht ausgewiesen wird. Selten hat ein Schicksal die Niederlande so bewegt. Und nie zuvor drohte eine Regierung zu stolpern, weil sie einen Asylbewerber nach Afrika zurückschicken will.

Neun Jahre war Mauro alt, als seine Mutter ihn ohne weitere Erläuterungen in ein Flugzeug Richtung Holland setzte. Dort kam er erst in ein Heim, schon bald aber zu Pflegeeltern nach Oostrum in der südlichen Provinz Limburg. Dass dieses Dorf nur 30 Autominuten von Venlo, der Geburtsstadt des Rechtspopulisten Geert Wilders, entfernt liegt, war purer Zufall. Kein Zufall ist hingegen, dass die beiden sich an diesem Dienstag in Den Haag begegnen werden: Mauro will dabei sein, wenn das Parlament darüber debattiert, ob er endgültig abgeschoben werden muss oder doch noch eine Ausnahme gemacht wird. Es müsse möglich sein, nicht „starr und steif“ an Regeln festzuhalten, fordert neben vielen anderen die Protestantische Kirche der Niederlande. „Wir haben es hier schließlich mit einem Menschen zu tun.“

Doch Migrationsminister Gerd Leers bleibt hart. Nächstenliebe ist dem Christdemokraten zwar nicht fremd. Er verweist aber darauf, dass eine „Extra-Wurst“ ungerecht wäre gegenüber 75 anderen jugendlichen Asylbewerbern, die ebenfalls auf der Abschiebeliste stehen. So richtig nimmt dem Minister die Prinzipientreue allerdings kaum jemand ab. Schließlich weiß jeder, dass die niederländische Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Christdemokraten für ihr Überleben auf die Duldung – viele sagen die Gnade – durch Wilders angewiesen ist.

Dessen Partei für die Freiheit (PVV) ist seit den Wahlen im vergangenen Jahr drittstärkste politische Kraft. Um in der Regierung bleiben zu können, ließen sich die Christdemokraten auf einen Pakt mit dem Islam-, EU- und Immigrationsgegner ein.

Dazu gehören eine rigorose Abschiebepraxis und das von Wilders diktierte Ziel, die Immigration aus islamischen und anderen nicht westlichen Ländern zurückzudrängen. Viele Niederländer finden das „im Prinzip“ richtig.

Doch der junge Angolaner passt so gar nicht in das PVV-Klischeebild vom Asylbewerber als arbeitsscheuem Sozialhilfe-Nassauer. Perfekt spricht Mauro Niederländisch, obendrein mit dem Limburger Dialekt. Bevor er für eine IT-Ausbildung in die Philips-Metropole Eindhoven ging, spielte Mauro Fußball beim Ortsclub SV Oostrum. Dessen Teamkameraden schwören bis heute auf ihn. „Hier ist doch mein Leben“, sagte Mauro der christlich-liberalen Zeitung „Trouw“. „Wie soll ich in Angola zurechtkommen? Ich kenne da niemanden mehr, und ich habe dort in einem Elendsviertel gelebt.“

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