Hannover/Wolfsburg - Die CDU wird im Landtagswahlkampf von einer Affäre eingeholt, die fast schon vergessen schien. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat nach monatelangen Ermittlungen Anklage gegen den früheren CDU-Wahlkampfmanager Markus Karp erhoben. Ihm wird Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Karp soll als Vorstandsmitglied der Stadtwerke Wolfsburg veranlasst haben, dass der ehemalige Pressesprecher der Stadtwerke, Maik Nahrstedt, für die Öffentlichkeitsarbeit der CDU freigestellt wurde. Auch gegen Nahrstedt wurde Anklage wegen Untreue erhoben. Die Ermittlungen gegen den früheren Wolfsburger Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) hatte die Staatsanwaltschaft dagegen eingestellt.
„Ich gehe davon aus, dass die zu erwartende Hauptverhandlung ein ganzes Gestrüpp von Machenschaften in der niedersächsischen CDU freilegen wird“, sagte SPD-Landesgeschäftsführer Michael Rüter. Die CDU könne Parteiarbeit und öffentliche Ämter offensichtlich nicht trennen. Linken-Fraktionschef Hans-Henning Adler (Oldenburg) erklärte, Ministerpräsident David McAllister (CDU) sitze „schon jetzt mit auf der Anklagebank“.
Nahrstedt hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um die Bürgermeister- und Kommunalwahlen, eine Landtagswahl und die parteipolitische Basisarbeit der CDU kümmern können.
Karp soll auch zugelassen haben, dass Nahrstedt während seiner Arbeitszeit anderen privaten Aktivitäten nachgehen konnte. Jahrelang sei der frühere Pressesprecher bei vollen Bezügen nur mit der Hälfte seiner Arbeitszeit für die Stadtwerke tätig gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Dem Mann seien zu Unrecht Nettogehälter in Höhe von 76 023,17 Euro gezahlt worden. Das Vorstandsmitglied habe so einen hohen Vermögensverlust herbeigeführt und seine Stellung als Amtsträger missbraucht.
