Lüneburg - Die beiden Linken-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen und Inge Höger müssen sich am Dienstag wegen eines Aufrufs zum „Schottern“ vor dem Amtsgericht Lüneburg verantworten. Unter „Schottern“ wird das Herauswühlen von Steinen aus dem Gleisbett entlang der Strecke verstanden.

Damit hatten Atomkraftgegner versucht, die Castor-Transporte nach Gorleben zu stoppen. Nicht nur die beiden Bundestagsabgeordneten, sondern auch weitere Politiker der Linkspartei hatten sich im November 2010 am Aufruf „Castor schottern“ beteiligt. Die Ankläger sehen darin eine Störung öffentlicher Betriebe nach Paragraf 316b des Strafgesetzbuches, der eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren Haft vorsieht.

Auch gegen die frühere Landtagsabgeordnete Christel Wegner soll am Dienstag verhandelt werden. Wegner war nach umstrittenen Äußerungen zu Stasi und Mauerbau im Februar 2008 aus der Linksfraktion ausgeschlossen worden und blieb bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Landtag im Januar 2013 fraktionslos.

Am 21. Mai wird sich nach Angaben des Gerichts Diether Dehm als vierter Bundestagsabgeordneter der Linken vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Jan van Aken war bereits am 9. April zur Zahlung von 2250 Euro verurteilt worden. Der Bundestag hatte im November die Immunität der vier Linken-Politiker aufgehoben.

Das Amtsgericht hat laut Staatsanwaltschaft bereits drei Unterzeichner des Aufrufs verurteilt. Gegner von Castor-Transporten machen sich auch nach Auffassung des Oberlandesgerichts (OLG) Celle schon dann strafbar, wenn sie öffentlich zum Schottern aufrufen. Die Linke verteidigte den Aufruf zur Aktion 2010 als zivilen Ungehorsam.

Insgesamt hatte die Staatsanwaltschaft Lüneburg zunächst gegen fast 1800 mutmaßliche Unterzeichner Ermittlungen eingeleitet.