Hannover - Als ob Agrarminister Christian Meyer (Grüne) mit der Affäre um Ex-Staatssekretär Udo Paschedag nicht schon genug Probleme hätte, gibt es jetzt auch noch Ärger mit dem Landvolk. Der einflussreiche Bauernverband hat sich nach Informationen dieser Zeitung bei Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) über den Agrarminister beschwert. Wie es hieß, gab es in dieser Woche ein Krisengespräch in der Staatskanzlei. Teilnehmer waren neben Weil und Meyer unter anderem Landvolk-Präsident Werner Hilse und Agrarstaatssekretär Horst Schörshusen.

Das Agrarministerium sprach von einem sachlichen und konstruktiven Gespräch. „Es ging um einen Austausch über agrarpolitische Fragen“, sagte Ministeriumssprecher Klaus Jongebloed. Es werde weitere Gespräche geben.

Aus Landwirtschaftskreisen wird der Charakter des Gesprächs allerdings anders dargestellt. Danach haben sich Hilse und seine Mitstreiter bei Weil massiv über Meyers Umgang mit den Bauern und dessen Wortwahl beklagt. Wie es hieß, richtete sich die Kritik auch gegen die Teilnahme des Agrarministers an einer Demonstration gegen einen Großstall in Wietze. Daran habe Meyer angeblich als Privatmann teilgenommen, sei jedoch als Minister aufgetreten. Das Ministerium hatte später von einem dienstlichen Termin gesprochen. Die Landwirte werfen Meyer „Doppelzüngigkeit“ vor. Weil soll angeblich angeordnet haben, dass Meyer sich jetzt alle sechs Wochen mit dem Landvolk treffen müsse. Die Staatskanzlei wollte sich auf Anfrage zum Gespräch nicht äußern.

„Der Ministerpräsident macht den Versuch einer Notbremsung, um das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und rot-grüner Landesregierung nicht noch weiter zu zerrütten“, sagte CDU-Fraktionschef Björn Thümler (Berne). „Weil will sich augenscheinlich Meyers Kampagne gegen Niedersachsens Landwirte nicht länger ansehen und legt seinen Agrarminister an die kurze Leine.“