Hannover - Die Behörden stehen bei ihren Ermittlungen um den Handel mit Prüfungsfragen für das juristische Staatsexamen vor monatelanger Arbeit. 16 000 Klausuren seien bei den Überprüfungen im Fokus, berichtete ein Sprecher des Justizministeriums in Hannover am Montag auf Anfrage. Auslöser ist der Verdacht gegen einen Richter aus dem Landesjustizprüfungsamt.
Der 48-Jährige soll vom Jahr 2011 an Klausurthemen und -lösungen verkauft haben. Vor allem Prüfungswiederholern soll er den Klausurstoff angeboten haben. Nach seiner Festnahme in Italien sei über den Termin einer Auslieferung an die deutsche Justiz noch nichts bekannt.
Sonderprüfer haben bereits damit begonnen, rund 2000 Examina zu kontrollieren. Dabei geht es um 16 000 Klausuren. Die Kontrolleure fahnden beispielsweise nach „auffälligen Zensursprüngen“, sagte der Sprecher. „Man weiß nicht, wie viele der zu beleuchtenden Klausuren es am Ende werden können.“ Fest stehe, dass alles wohl Monate dauere.
Sollte der in Verdacht stehende Jurist am Ende verurteilt werden, droht ihm eine Gefängnisstrafe. Dem Justizministerium zufolge reicht das Strafmaß in einem minder schweren Fall bis zu drei Jahren Haft. Sollte es sich tatsächlich um einen schwunghaften Verkauf gehandelt haben – und damit um einen schweren Fall – drohen bis zu zehn Jahre.
