Bremen/ wilhelmshaven/ hannover - Bierselig feiernde Jugendliche, trinkfeste Alkoholiker im Park oder Betrunkene, die sich in Gruppen in den Innenstädten versammeln. Anblicke, die immer wieder zu Beschwerden führen. Um dagegen anzugehen, setzen die Städte stärker auf Prävention statt auf Repression, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Eine landesgesetzliche Grundlage, die ein generelles Trinkverbot in der Öffentlichkeit ermöglicht, gibt es in Niedersachsen im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht.
„Wir setzen verstärkt auf Streetworker“, sagte der Stader Stadtrat Dirk Kraska. An beliebten Treffpunkten würden „dann auch schon mal Mülltonnen hingestellt oder weitere Straßenlampen installiert“. Das sei viel effektiver als repressive Maßnahmen. Gleiches gilt für Hildesheim. Auch dort werden nach Angaben von Stadtsprecher Helge Miethe Streetworker „zur Befriedung der Situation“ eingesetzt.
Die Stadt Hannover hat einen Sicherheitsdienst beauftragt, um der Sache Herr zu werden. „Der achtet darauf, dass es nicht zu Auseinandersetzungen kommt und sorgt für Ruhe“, sagte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Am Raschplatz in Bahnhofsnähe treffe sich das Partyvolk oft zum sogenannten Vorglühen und zugleich halte sich die Trinkerszene gern dort auf, berichtete Kalmus. Die Maßnahmen seien im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gewesen.
In Göttingen gab es bis Ende 2013 an zwei Brennpunkten ein Alkoholverbot von Sonnabend auf Sonntag. Das habe der Rat für 2014 aber nicht verlängert, weil sich die Situation gebessert habe, sagte Stadtsprecher Detlev Johannson. „Es gibt Treffpunkte, wo mal mehr oder weniger getrunken wird. Dort sind Jugendarbeiter vor Ort.“
In Wilhelmshaven gibt es seit 2013 einen City-Ordnungsdienst, der in der Innenstadt Präsenz zeigt und mit den Gruppen ins Gespräch kommt. „Die Ansprache ist besser und funktioniert auch“, sagte Stadtsprecher Arnold Preuß. Seitdem seien die Vorfälle deutlich zurückgegangen.
Auch in Bremen setzt die Polizei auf das Gespräch. „Wir versuchen, die Leute aus eigenem Antrieb zur Vernunft zu bringen“, sagte Ines Roddewig von Polizei. Die Treffpunkte der Trinkerszene seien in den Revieren bekannt. Probleme bereiteten gerade in den wärmeren Monaten die Spontanpartys. „Über soziale Netzwerke findet sich eine schwer bestimmbare Anzahl von Menschen zusammen, vornehmlich an Grünstreifen in der Nähe von öffentlichen Verkehrsräumen, Bahnunterführungen oder kleinen Gewässern.“ In diesen Fällen werde auch schon einmal die Musikanlage sichergestellt, sagte Roddewig.
Kein Pardon kennen die Städte, wenn es um Vermüllung und Urinieren in der Öffentlichkeit geht. Wer dabei erwischt wird, zahlt ein Bußgeld.
