BERLIN - Bürgermeister aus dem Nordwesten fordern Klarheit in der Frage künftiger Bundeswehrstandorte. „Welcher Ort ist gesetzt, entscheiden politische Einflüsse, welche Obergrenze wird es bei der Zahl der Soldaten geben?“ Nicht nur Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel drängte am Dienstag auf Antworten im Gespräch mit Oberstleutnant Michael Hogrebe vom Arbeitsstab Umbau der Bundeswehr im Verteidigungsministerium. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Werner Kammer (Zetel) hatte dieses Gespräch in Berlin organisiert.
Mit Menzel fürchtet mancher, dass es bei Einschnitten für die Bundeswehrstandorte nicht nur nach sachlichen Kriterien geht. „Kiel müsste geschlossen werden, weil dort nichts mehr ist“, sagt Menzel.
Auch in Wittmund, Schortens und Sande macht man sich Sorgen. „Der Druck ist schon gewaltig“, bestätigte Oberstleutnant Hogrebe den Politikern. Durch den Ministerwechsel sei der Zeitplan verrutscht. „Im Herbst“, so Hogrebe („Im Ministerium werden wir nur noch die Abrissbirne genannt“) werde die Standortfrage beantwortet, in „4 bis 5 Wochen“ die Obergrenze festgelegt. Betriebswirtschaftlich die „billigste Lösung“ seien „sechs Brigaden an sechs Standorten in Deutschland“, sagt Hogrebe, der sofort viele Aber hinterher schiebt: Wo sind die Übungsräume, wo die Systemverbünde, wo der Nachwuchs? Hogrebe: „Das ist eine Schicksalsfrage.“
Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen verweist auf die 108 Ausbildungsplätze der Bundeswehr an seinem Standort. Diese „Leuchtturmfunktion“ müsse erhalten werden. Hogrebes Antwort: Am wenigstens Geld würde die Konzentration „aller Aktivitäten auf zwei Flugplätzen kosten“. Das sei aus vielen Gründen nicht machbar. Wie viel es sein werden, ließ der Experte offen.
Auch die Zukunft der Objektschützer, nach der Schortens Bürgermeister Gerhard Böhling fragt („Bleiben sie bei der Luftwaffe?“), scheint offen. Für den Umbau der Bundeswehr werde man einen „fähigkeitsorientieren Ansatz verfolgen“, betont Oberstleutnant Hogrebe: „Das heißt, wir brauchen die Fähigkeit der Objektschützer in Jever. Aber ob diese bei der Luftwaffe, der Marine oder dem Heer angehängt werden, ist offen. Wir sind noch nicht so weit. Die Standortfrage ist dann eine zweite.“
Bald Klarheit erhofft sich Bürgermeister Josef Wesselmann aus Sande beim Thema „Störfeuer der Bundeswehr gegen Windparks“ in der Nähe von Standorten. Auch hier will das Ministerium rasch klären, „was die Bundeswehr können und üben muss – und auf welchen Flächen“.
