BERLIN - Die neue FDP-Spitze wird nach dem Machtwechsel von Guido Westerwelle (49) zu Philipp Rösler (38) an mehr Positionen als erwartet erneuert. Generalsekretär bleibt Christian Lindner (32).

Bislang weigert sich Rösler, Namen zu nennen. Doch hinter den FDP-Kulissen kursieren längst Listen. Drei Stellvertreter müssen auf dem Rostocker Parteitag vom 13. bis 15. Mai gewählt werden. Obwohl als Wirtschaftsminister umstritten, wird wohl der bisherige Vize Rainer Brüderle (65, Rheinland-Pfalz) laut Parteikreisen erneut in die Stellvertreterriege einziehen. Größte Chancen, künftig an der Seite des Niedersachsen Rösler zu sitzen, haben Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (59) aus Bayern und NRW-Landeschef Daniel Bahr (34), derzeitiger Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium unter dem Minister Rösler. Als Vize scheiden die Wahlverliererin von Sachsen-Anhalt, Cornelia Pieper (51), und Ex-NRW-Minister Andreas Pinkwart (50) aus.

Auch für das Präsidium schälen sich bereits Favoriten heraus. Dazu gehört beispielsweise der treue Weggefährte Westerwelles, Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (47, Baden-Württemberg). Ihn hat die umstrittene Fraktionschefin im Bundestag, Birgit Homburger (45, Baden-Württemberg), fast unbemerkt in einem Interview ins Rennen geschickt.

Apropos Homburger: Ihre Zeit an der Spitze der 93 Bundestagsabgeordneten könnte nach Einschätzung führender Liberaler im Herbst ablaufen, wenn die Fraktionsspitze turnusgemäß neu gewählt wird. „Homburger tritt dann nicht mehr an“, heißt es immer wieder auf den Fraktionsfluren. Der Ersatz hält sich längst bereit: der Rösler-Vertraute Daniel Bahr. Auf ihn werden schon Wetten abgeschlossen.

Probleme bereiten noch Kandidaten aus dem Osten für die Parteiführung. „Es sollte wieder eine Frau sein“, heißt es. Bisher werden als Namen nur Männer gehandelt – der Thüringer Landeschef Uwe Barth (46) und der Sachse Jan Mücke (37), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Aus der Riege der Jungen drängen noch der Böblinger Bundestagsabgeordnete Florian Toncar (31) und die Hamburger Landesvorsitzende Katja Suding (35) nach. Die in Vechta aufgewachsene Suding gelang das Kunststück, aus dem Stand als neue Spitzenkandidatin die Liberalen wieder in die Hamburger Bürgerschaft zu bringen.

Ausscheiden wird der langjährige Schatzmeister Hermann Otto Solms (70), der die Partei aus äußerst klammer Lage mit Geschick wieder in sicherere finanzielle Zonen geführt hat. Seit langem fällt als Nachfolger der Name des Unternehmers Patrick Döring (37) aus Hannover. Nicht ausgeschlossen, dass sich auch für Philipp Rösler bald etwas ändert. Bisher gehört der Niedersachse nicht dem Bundestag an. Doch als Parteivorsitzender dürfte er bald die Nr. 1 auf der Landesliste sein.