BERLIN/HANNOVER - Umweltminister Gabriel übt Kritik an den Ergebnissen. Wirtschafts-Ressortchef Glos fordert Ende des Erkundungsstopps für Gorleben.

Von OLaf Reichert

und Marco Seng

BERLIN/HANNOVER - Der Streit in der Bundesregierung um die Endlagerung von Atommüll geht in die nächste Runde. Am Mittwoch forderte das Wirtschaftsministerium Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, den im Jahr 2000 verhängten Erkundungsstopp in Gorleben aufzuheben. Die Erkundung müsse „unverzüglich und ergebnisoffen“ fortgesetzt werden, sagte ein Mitarbeiter von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) anlässlich der Vorstellung einer Studie des Bundesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Berlin.

Wissenschaftler des BGR hatten untersucht, welche Regionen für eine Endlagerstätte in Tongestein in Frage kommen. Danach liegen rund 80 Prozent der möglichen Endlagerstätten in Niedersachsen. Allerdings gilt Ton nicht als erste Wahl. Im Vergleich mit Kristallingestein (etwa Granit) und Ton dränge sich Steinsalz (wie es in Gorleben vorkommt) für die Endlagerung auf, sagte Glos’ Mitarbeiter.

Das Bundesumweltministerium übte deutliche Kritik an der Methodik und den Schlussfolgerungen der Studie. Es handele sich um eine „Endlager-Studie, die nur Ängste schürt, aber keine Probleme löst“, sagte Gabriels Sprecher Michael Schroeren. Eine Bewertung von geologischen Formationen für die Eignung als Endlagerstandort könne erst im Kontext eines von der Bundesregierung festgelegten Verfahrens erfolgen, „das internationalen Auswahl- und Sicherheitskriterien entspricht“.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms erinnerte im Gespräch mit dieser Zeitung daran, dass die damalige Entscheidung, in Gorleben zu erkunden, nicht Ergebnis eines systematischen Vergleichs gewesen sei. Sie wirft Glos vor, die in Gorleben bereits verbauten Milliarden als Druckmittel zu benutzen, um den Betrieb der Anlage durchzusetzen.

Für die FDP-Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst (Wildeshausen) liefert die neue BGR-Studie ein weiteres Argument, das Moratorium in Gorleben zu beenden. „Da Ton offenbar als Wirtsgestein weniger geeignet ist, muss die Erkundung des Salzstocks fortgesetzt werden.“

Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) sagte dieser Zeitung: „An der Position der Landesregierung hat sich nichts geändert. Gorleben soll zu Ende erkundet werden. Erst wenn es sich nicht geeignet als Endlager-Standort erweist, kann man sich über neue Konzepte Gedanken machen.“ Im Glos-Ministerium heißt es dazu, es gäbe keine Erkenntnisse, die gegen die Eignung des Salzstocks Gorleben sprächen.