BERLIN/HANNOVER - Umweltminister Trittin will die Nachrüstung von Altfahrzeugen. Hier müssten die Länder ihren Beitrag leisten.
Von Stefan Idel
und unseren Agenturen
BERLIN/HANNOVER - Sie quellen aus Auspuffrohren, steigen aus Fabrikschloten und werden von Reifen auf der Straße abgerieben – Feinstäube, die niemand sehen, riechen oder schmecken kann. Und doch stellen die Partikel, die oft nur ein Zehntel eines Haardurchmessers erreichen, das zurzeit größte Problem bei der Luftreinhaltung im Land dar. Umweltverbände wollen nun mit Klagen Fahrverbote und andere Sofortmaßnahmen erzwingen, damit in hiesigen Ballungsräumen die neuen EU-Grenzwerte eingehalten werden.Studien zufolge können Feinstäube, die tief in die Lunge eindringen und dort lange bleiben, unter anderem Krebs sowie Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsystems verursachen. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wird durch die Partikel die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in der EU um 8,6 Monate und in Deutschland um 10,2 Monate reduziert. Die EU geht von mehr als 65 000 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland wegen der Luftbelastung mit Feinstaub und Ozon aus.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) setzt im Kampf gegen den Feinstaub auf die Nachrüstung von Altfahrzeugen. Er forderte gestern die Bundesländer auf, den Weg für eine stärkere Bezuschussung von Rußpartikelfiltern bei älteren Dieselautos freizumachen. Die Länder nähmen elf Milliarden Euro zusätzlich durch höhere Steuern und den Verkaufsboom bei Dieselfahrzeugen ein. „Da müssen doch 1,5 Milliarden für Nachrüstung und Luftreinhaltung übrig sein“, sagte er.
Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) lehnt das grundsätzlich ab. Es dürfe kein neuer Subventionstopf entstehen, erklärte seine Sprecherin Antje Tiede. Wenn die Gesundheitsgefahr wissenschaftlich bewiesen sei, müsse der Bund eben Partikelfilter in Diesel-Fahrzeugen vorschreiben. „Für Bremsbeläge gibt es ja auch keine Beihilfen“, hieß es.
In Deutschland und der übrigen Europäischen Union gilt seit dem 1. Januar die Regelung, wonach der Wert von 50 Mikrogramm Staub pro Kubikmeter Luft nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. In vielen deutschen Städten wird diese Höchstzahl wohl bald erreicht. Kritisch ist die Lage nach Angaben des Umweltbundesamts nicht nur im Ruhrgebiet oder in Berlin, sondern auch in den Großstädten Hannover und Braunschweig.
