BERLIN - Die 55 wird gemeinhin zu den „Schnapszahlen“ gezählt. Wenn Thomas Oppermann an diesem Montag seinen 55. Geburtstag feiert, kommt einem Schnaps aber nicht in den Sinn, im Gegenteil. Oppermann, seit November 2007 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, gilt als überaus nüchtern, wenn es um das politische Geschäft geht.

Der ehemalige Verwaltungsrichter und niedersächsische Wissenschaftsminister hat nach seinem Wechsel in die Bundespolitik 2005 eine Blitzkarriere hingelegt. Und das schafft man nicht mit duseligem Kopf.

Neuling in der Krise

Als Neuling kam Oppermann 2005 in die SPD-Bundestagsfraktion. Oppermann sprang als SPD-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss in die Bresche. Er verteidigte den unter Druck geratenen ehemaligen Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier so geschickt, dass alle Vorwürfe, Deutschland habe sich trotz anderslautender Aussagen doch am Irak-Krieg beteiligt und Steinmeier habe die Heimkehr des unschuldigen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz hintertrieben, nahezu spurlos abperlten.

Seit November 2007 ist Oppermann als „Erster PGF“ nun der zweitwichtigste Mann der SPD-Fraktion. Angesichts der angeschlagenen Gesundheit von Fraktionschef Peter Struck ist der Göttinger vielleicht noch mehr. Bei seinen Pressefrühstücken jeweils am Mittwochmorgen einer Sitzungswoche gibt Oppermann inzwischen bestimmt und meinungsfreudig Themen und Tempo vor.

Mit beißendem Spott wird zu Beginn stets der Koalitionspartner bedacht. Die CDU habe Angst vor einer Programmdebatte und wolle deshalb keinen Bundesparteitag vor der Bundestagswahl, analysierte der Jurist jüngst genüsslich. Das Anpreisen der eigenen Mannschaft („Stimmung entspricht dem Frühlingswetter. Programm steht, Kandidat steht, alles gut.“) wirkt zeitweise wohltuend selbstironisch. Oppermann kann so auftreten, weil er um seinen Wert weiß. Immer öfter wird er von der SPD-Fraktion mit wichtigen Vier-Augen-Verhandlungen mit der Union betraut.

Zukunft ist ungewiss

Und wie geht es für den Senkrechtstarter weiter? Als Nachfolger von Struck haben ihn nur wenige auf dem Zettel. Die Sozialdemokraten wünschen sich eine „Rampensau“ als Frontmann, der den politischen Gegner in Debatten reizen und zu Fehlern provozieren kann. Dazu sind Oppermanns Nüchternheit und Juristensteifigkeit, sein Spott und seine Ironie nicht unbedingt geeignet. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wird hingegen diese Rolle zugetraut.

Dann könnte Oppermann eine neue Aufgabe brauchen. Zwei Niedersachsen an der Spitze der Fraktion – in der Nach-Struck-Ära könnte das zu landsmannschaftlichen Konflikten führen. Und ob die beiden Machtpolitiker Gabriel und Oppermann miteinander harmonieren würden, ist auch fraglich. In seiner jetzigen Position könnte Oppermann bleiben, wenn jemand anders die Fraktion führen würde. Derzeit wird vermehrt Parteichef Franz Müntefering genannt.