BERLIN - „Wir betrachten das alles aus der Ferne, sie gehört keinem Führungsgremium mehr an.“ In der FDP-Bundeszentrale gehen die Schotten runter, wenn der Name Silvana Koch-Mehrin fällt. Seit der Plagiats-Affäre der 40-jährigen EU-Abgeordneten gehen Liberale lieber auf Distanz zum einstigen Liebling von Ex-Parteichef Guido Westerwelle. Wegen nachgewiesenen geistigen Diebstahls in ihrer Dissertation wurde ihr im Juni 2011 der Doktortitel aberkannt. Wie das ARD-Politmagazin „Panorama“ jetzt recherchierte, soll die frühere Glamour-Liberale auch als Parlamentarierin ein schwaches Bild abgeben, kaum oder gar nicht an Sitzungen des Europa-Parlaments teilnehmen.
Laut „Panorama“ sind seit vier Monaten so gut wie keine öffentlichen Termine außerhalb des Europäischen Parlaments mit Koch-Mehrin bekannt geworden. Ihre Homepage, wo sie über den Stand ihrer Arbeit als Abgeordnete informierte, war nach „Panorama“-Recherchen bis vor ein paar Tagen in weiten Teilen auf dem Stand von 2009. In dem TV-Magazin kritisiert der Verfassungsrechtler Prof. Hans Meyer: „Das Verhalten, das Frau Koch-Mehrin an den Tag legt, ist für niemanden akzeptabel und schadet ihrer eigenen Partei und dem Europa-Parlament. Man kann ihr nur raten, entweder wieder zur Arbeit zurück zu kehren oder aber aus dem Parlament zu scheiden.“
Tatsächlich ist es schwierig, in Kontakt mit der EU-Parlamentarierin zu kommen. Das FDP-Europa-Büro in Berlin verweist auf Koch-Mehrins Büro in Brüssel mit drei Mitarbeitern, aber dort klingelt das Telefon durch. Noch nicht einmal eine Bandansage existiert.
Nahestehende von Koch-Mehrin weisen die Kritik an dem einstigen FDP-Star zurück, sehen einen gewaltigen Neidfaktor im Spiel. „Seit sie politisch tätig ist, steht sie unter Dauerfeuer, dient als Feindbild, weil sie auch noch gut aussieht“, heißt es. Das „Panorama“-Team habe „seit Wochen“ und mit „üblen Tricks“ an dem Thema Koch-Mehrin gearbeitet, heißt es weiter. Tatsächlich sei die Abgeordnete „zugedeckt mit Terminen“. Deshalb würden auch Mitarbeiter für ihre Chefin an den EU-Ausschuss-Sitzungen teilnehmen. Das sei ein „übliches Verfahren“.
Auf der aktuellen Homepage weist Koch-Mehrin auf ihre Anfrage vom 13. September zu Taiwan, auf ein EU-Buch mit einem Beitrag (18. Juli) und Aktivitäten im Petitionsausschuss (13. Juli) hin.
