BERLIN - Wie lange hält sich noch Birgit Homburger, Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion? Nicht mehr lange, wenn es nach liberalen Auguren geht. Anfang Mai steht die umstrittene Baden-Württembergerin vor turbulenten Tagen – die sie eine Woche vor dem Bundesparteitag in Rostock sogar ihr Berliner Amt kosten könnten. Nichts scheint derzeit unmöglich.
Wahldesaster, Richtungs- und Profillosigkeit werden nicht nur dem scheidenden Parteichef Guido Westerwelle angekreidet. Auch an Homburger als baden-württembergische Landesvorsitzende und Chefin von 93 Bundestagsabgeordneten entzündete sich eine heftige Debatte – die sie zunächst überstand. Bis zur Fraktionssitzung in dieser Woche. Da probten einige Liberale den Aufstand – angeführt vom Papenburger Hans-Michael Goldmann. Sein Vorschlag, die Fraktion mit einer Doppelspitze zu führen, sie schlagkräftiger und profilierter zu machen, setzte eine breite Diskussion in Gang. Von einer „Rebellion“ sprachen später einige Abgeordnete. Zielscheibe: Homburger. Immer wieder formulierte sich Ärger über die inhaltliche Arbeit und die öffentliche Wahrnehmung der Bundestagsfraktion. Laut Augen- und Ohrenzeugen fielen Sätze wie „Merken Sie da vorn denn gar nicht, was hier los ist“.
Homburger bekam die Debatte weder in den Griff noch unter die Decke. Folge: Bei einer Klausurtagung am 8. und 9. Mai geht die Nabelschau der liberalen Abgeordneten weiter – mit ungewissem Ausgang. Pikant dabei: Am Vorabend stellt sich die baden-württembergische Landesvorsitzende einer Kampfkandidatur um das Spitzenamt in Stuttgart. Homburger könnte verlieren – und damit Schleusen öffnen.
Für den designierten Parteichef Philipp Rösler kommt die Homburger-Debatte zur Unzeit. Sie erschwert die dringend benötigte Geschlossenheit der FDP auf dem Bundesparteitag in Rostock. Vor allem: Wer soll Homburger beerben? NRW-Landeschef Daniel Bahr etwa? Schon fürchten Rösler-Vertraute einen „Zangengriff“ durch die NRWler Bahr und Generalsekretär Christian Lindner auf Rösler. Hinzu käme ein Problem, sollte die FDP 2013 aus der Regierung fliegen: Würde ein starker Fraktionschef seinen Stuhl für den Parteivorsitzenden Rösler räumen? Die FDP bleibt spannend.
