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Neujahrsansprache Größte Panne der TV-Geschichte

Gregor Tholl

BERLIN - Vor 25 Jahren ereignet sich die vielleicht größte Panne der deutschen Fernsehgeschichte: Am Silvesterabend 1986 sehen fast sieben Millionen Menschen nach der „Tagesschau“ um 20 Uhr, wie der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) am Ende seiner Neujahrsansprache alles Gute für das Jahr 1986 wünscht – und nicht, wie es richtig wäre, für das Jahr 1987. Die ARD hat erneut die Ansprache vom Vorjahr gesendet statt der aktuellen Rede des Regierungschefs. „Beleidigung“, poltert die Bundesregierung. Von menschlichem Versagen spricht das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Ein „Alptraum“

Am 31. Dezember gegen 21.25 Uhr blendet „das Erste“ in seine laufende Sendung – das „ARD Wunschkonzert“ mit Dagmar Berghoff und Max Schautzer – einen Text ein: „Durch ein Versehen ist die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers heute Abend verwechselt worden. Die ARD entschuldigt sich dafür! Die korrekte Fassung wird morgen, am Neujahrstag, um 20.05 Uhr, nach der „Tagesschau“ ausgestrahlt!“. Seit 1970 spricht der Bundeskanzler zum Neujahrstag, der Bundespräsident zu Weihnachten. Von 1949 bis 1969 war es umgekehrt.

Kohls Ansprache für das Jahr 1987 ist ein paar Tage vor dem Silvestertag in Bonn produziert worden. Doch während das ZDF am 31. 12. 1986 nach seinen „heute“-Nachrichten um 19 Uhr die richtige Neujahrsansprache sendet, kommt es beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg zu der beispiellosen Panne.

Der damalige NDR-Programmdirektor Rolf Seelmann-Eggebert, heute als Adelsexperte bekannt, bedauert das Missgeschick am Folgetag und spricht von einem „Alptraum“: Eine Videokassette mit der Aufschrift „Neujahrsansprache“ habe zum Abspielen bereitgelegen. Als der Irrtum bemerkt wurde, sei die richtige Kassette fieberhaft gesucht worden, aber nicht zu finden gewesen. „Eine zweite lag nicht vor.“

Sabotage? Die schwarz-gelbe Bundesregierung gibt sich gegenüber der ARD gekränkt. Regierungssprecher Friedhelm Ost sieht in dem Vorgang eine „Beleidigung für die Zuschauer“. Das TV-Publikum dürfe Sorgfalt erwarten, zumal die ARD redaktionell und technisch für die Aufnahme der Neujahrsansprache 1987 zuständig gewesen sei. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagt Ost.

Interesse sinkt

25 Jahre nach der Panne sagt in München ein Sprecher der ARD-Programmdirektion: „Die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers sahen am 31. 12. 1986 im Ersten 6,65 Millionen Zuschauer in der Bundesrepublik. Im ZDF verfolgten die Ansprache 5,63 Millionen Zuschauer. Die Ausstrahlung der richtigen Ansprache in der ARD wurde dann am 1. 1. 1987 von 7,33 Millionen gesehen.“

Die Neujahrsansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Jahr 2011 sahen übrigens in der ARD etwa 4,2 Millionen Menschen, im ZDF gut 2,8 Millionen. Man könnte also fast sagen, im vergangenen Vierteljahrhundert hat sich das Interesse der Deutschen an den warmen Worten des Regierungschefs so gut wie halbiert.

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