BERLIN - Zufrieden sieht Angela Merkel nicht gerade aus, als sie am Sonnabendnachmittag etwas entspannen will. Im hellbraunen Blazer zur weißen Hose steht die urlaubende Kanzlerin vor einem Café im Südtiroler Ferienort Sulden, als der Fotograf auf den Auslöser drückt. Die Laune Merkels mag am eher trüben Wetter gelegen haben. Doch die Stimmung könnte auch mit dem wichtigsten Sommerthema 2012 zusammenhängen: der sich zuspitzenden Eurokrise.

Immerhin musste sich Merkel am Sonntagabend nicht erneut über CSU-Chef Horst Seehofer ärgern. Der nach Attacken gegen die Berliner Regierung inklusive Koalitionsbruch-Drohungen als „Kanzlerinnen-Quäler“ bekannte bayerische Ministerpräsident gab sich im ZDF-Sommerinterview ziemlich zahm. Ein leicht vergiftetes Lob für Merkel konnte er sich allerdings zum Schluss doch nicht verkneifen: „Sie ist zwischen (FDP-Chef) Philipp Rösler und mir stark genug, um die Dinge richtig zu steuern.“

Doch Merkel hat auch ohne neue Querschüsse aus Bayern genug Sorgen. Am Freitag musste sie im Urlaub wegen der dramatischen Entwicklung um Spanien, Italien und Griechenland zum Telefon greifen. Frankreichs Präsident François Hollande hatte um ein Gespräch gebeten.

Anschließend rückten die Konservative und der Sozialist zusammen. „Deutschland und Frankreich sind der Integrität der Eurozone zutiefst verpflichtet. Sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen“, ließen beide gemeinsam verbreiten.

Am Sonnabend dann noch ein Krisentelefonat. Diesmal sprach sie mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti – auch er ein Politiker, der von Merkel gerne mehr deutsches Geld in der Krise sehen würde.

Spaniens EU-Minister Íñigo Méndez de Vigo hatte dieses Ziel zuvor ganz offen ausgesprochen. Via „Bild“-Zeitung forderte er die Deutschen zu mehr Solidarität auf – mit einer besonderen Begründung: „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in einer weitaus schwierigeren Situation auch sehr geholfen, viele Länder haben auf Geld zugunsten Deutschlands verzichtet. Das sollte Deutschland nicht vergessen.“

Schon an diesem Montag muss der zweitwichtigste deutsche Akteur in der Eurokrise seinen Urlaub unterbrechen. Finanzminister Wolfgang Schäuble bekommt auf Sylt Besuch von US-Finanzminister Timothy Geithner. Natürlich steht die Finanzlage in Europa im Mittelpunkt.

Immerhin: Ein veritables Sommertheater ist der Regierung bisher erspart geblieben. Doch das muss nicht so bleiben. Merkel weiß: Der Unmut in den Regierungsfraktionen ist bei diesem Thema groß. Und auch viele Bürger haben nur noch wenig Vertrauen in den Euro, das zeigt eine aktuelle Umfrage. Da dürfte also noch viel Überzeugungsarbeit der Kanzlerin nötig sein.