BERLIN - Die niederländische Königin Beatrix hat sich am Mittwoch in Berlin bei jungen Leuten ausführlich über den Stand der deutschen Einheit informiert. Am zweiten Tag ihres Staatsbesuches sprach die 73-jährige Monarchin mit Jugendlichen, die im Einheitsjahr 1990 geboren wurden. Zuvor hatte sie vom Fernsehturm einen Blick auf das neue Berlin geworfen.

Die holländische Königin, die von Sohn und Kronprinz Willem-Alexander und Schwiegertochter Prinzessin Máxima begleitet wurde, traf die jungen Leute bei einem Mittagessen im Palais am Festungsgraben. Zu DDR-Zeiten war in dem historischen Gebäude unweit der Neuen Wache der Sitz der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft untergebracht.

Für die „Generation Einheit“, die kurz vor oder nach dem Mauerfall zur Welt kam, sei das wiedervereinte Deutschland eine Selbstverständlichkeit, sagte der niederländische Botschafter in der Bundesrepublik, Marnix Krop, vor dem Mittagessen, an dem auch Bundespräsident Christian Wulff und seine Gattin Bettina teilnahmen. „Auf internationaler Ebene spricht Deutschland zweifellos mit einer Stimme“, sagte Krop. „Die innere Einheit braucht noch etwas länger Zeit“.

Beatrix ließ sich von den jungen Leuten über ihre Sicht auf „Deutschland heute, gestern, morgen“ informieren. Die Monarchin wollte wissen, „mit wem oder was“ sich die Jugendlichen „identifizieren“ können, erzählte Krop, und ob sie ihre Zukunft eher in der „Leidenschaft oder im großen Geld“ sähen.

Das Tiefdruckgebiet „Karl“ hatte zuvor das Programm des Staatsbesuches mit Regen und Sturmböen durcheinandergewirbelt. Ein für den Morgen geplanter Spaziergang durch das Brandenburger Tor musste wegen des schlechten Wetters abgesagt werden.

Als für einen Staatsgast eher ungewöhnlich wertete der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ihr Interesse für ein soziales Projekt im Problembezirk Neukölln. „Beatrix wollte sehen, wie vor allem Zuwandererkindern aus sozial schwachen Familien Hilfen gegeben werden können.“ Dafür sei der von Beatrix besuchte Mitmachzirkus, der die Kreativität der Kinder fördere, ein gutes Beispiel, sagte Wowereit.