BERLIN - Der Zeitdruck zwingt zur Bündelung der Kräfte. Aber auch das Geld ist knapper als noch im Jahr 2002.

Von Esteban Engel

BERLIN - Es soll eine kurze und hitzige Schlacht werden. Zwar muss Bundespräsident Horst Köhler noch das letzte Wort sprechen. Doch die Vorbereitungen für eine Wahl am 18. September laufen in den Berliner Parteizentralen und Werbeagenturen auf Hochtouren. Mit seinem Neuwahl-Vorstoß hat Kanzler Gerhard Schröder (SPD) Parteimanager und Strategen unter Druck gesetzt. Sie hatten sich zunächst für 2006 auf einen langen Kampf eingerichtet. Nun haben die Werbeleute, wenn nichts mehr dazwischen kommt, nur wenige Wochen Zeit, die Bürger mit Kandidaten und Programmen bekannt zu machen.

Allerdings droht die Botschaft zu verpuffen. Attraktive Flächen für Großplakate sind längst für Markenartikel gebucht, gute Standorte Mangelware. Während der Sommerwochen liegen Millionen Wähler weit weg am Strand oder wandern in den Bergen – das Interesse an Politik zu Hause geht unter der Sonne deutlich zurück. Auch das Geld ist knapper als 2002. 60 Millionen Euro haben die Parteien für den Wahlkampf in ihren Kassen, beim letzten Mal waren es 100 Millionen. Der Medienexperte Michael Geffken spricht bereits von einem „Wahlkampf des Mangels“.

Auch SPD-Geschäftsführer Kajo Wasserhövel spürt den Zeitdruck: „Wir haben nicht die übliche Vorbereitungszeit von einem Jahr.“ Zur Bündelung aller Kräfte verzichten die Sozialdemokraten dieses Mal auf eine ausgelagerte Wahlkampfzentrale und führen die Fäden im Willy-Brandt-Haus zusammen. In der Parteizentrale werden 230 Mitarbeiter eingespannt. Die Arbeitsatmosphäre soll auch ein Zeichen an die Basis sein. Es gehe nicht um die „Inszenierung der Inszenierung“, die SPD wolle die Bürger möglichst direkt erreichen.

25 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung, zwei Millionen weniger als 2002. Unterstützt wird die Partei von der Werbeagentur Butter (Düsseldorf), die schon für die SPD im Wahlkampf in NRW aktiv war.

Mit 3,5 Millionen Euro will die FDP einen „Dialog orientierten“ Wahlkampf führen, wie Geschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz sagt. Über das Internet sollen die Wähler das „Deutschland-Programm“ fortschreiben. Parteichef Guido Westerwelle wird auf Tour gehen – ob im „Guidomobil“ ist noch offen.

Fast vier Millionen Euro, eine halbe Million weniger als 2002, stehen den Grünen zur Verfügung. Die Botschaften würden „zugespitzt“.

Als Gewinner des kurzen Wahlkampfs sehen sich Privatfernsehen und Zeitungen. „Wir nutzen die Zeitnot und die Schwächen der anderen Medien“, sagte Andreas Kühne vom Werbevermarkter Seven-One-Media.