Da hat die Universität Oldenburg schon ganz anderes erlebt: Nach 100 Tagen Amtszeit hatte so mancher Präsident entweder bereits den ersten Hauskrach hinter sich oder sich öffentlichkeitswirksam mit der Politik angelegt – nichts von beidem ist von Uwe Schneidewind bekannt geworden. Seit der 38-Jährige am 1. Oktober das Amt antrat, ist das Unspektakuläre offenbar Programm.

Die Tatsache, dass manche Universitätsangehörige ironisch anmerken, sie hätten bis heute den Wechsel in der Führungsspitze nur aus der Zeitung mitgekriegt, muss gar kein abfälliges Urteil über die Amtsführung sein. Sie belegt vielmehr, was vorherzusehen war: Die Hochschule ist in den Zeiten von Michael Daxner und Siegfried Grubitzsch in eine Reform-Spur gesetzt worden, aus der kein Nachfolger ausscheren kann, es sei denn, er wollte sich mit Gott und der Region anlegen.

Schneidewind hat allerdings auch nie eine Kehrtwendung angekündigt, allenfalls wollte er die Spur seiner Vorgänger sanft korrigieren. Schließlich hatte er die Wahl nicht mit bahnbrechenden neuen Ideen gewonnen, sondern vor allem mit dem Versprechen, Kommunikation und Information im eigenen Haus verbessern zu wollen. Das scheint ihm auf unspektakuläre Weise zu gelingen. Selbst die ersten erkennbaren inhaltlichen Akzente, die er setzte – etwa seine Anstöße zur Leitbild-Diskussion – sind bisher von den meisten Universitätsangehörigen eher beiläufig zur Kenntnis genommen worden.

Ein glücklicher Umstand für ihn ist auch, dass es gegenwärtig keine großen Differenzen zwischen Universität und Wissenschaftsministerium zu geben scheint. Die Anerkennung etwa, die Ministerpräsident Wulff Oldenburg öffentlich zollt, wird er nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Als noch designierter Präsident hatte sich Schneidewind zeitweise Wulffs Zorn zugezogen, weil er eine Demonstration gegen die Kürzungen mitorganisierte.

Der erste Härtetest für die Amtsführung des Präsidenten steht jedoch kurz bevor: Sollte das Bundesverfassungsgericht Studiengebühren zulassen, dann wird er nicht umhin kommen, seine auch in dieser Frage noch leicht unscharfe Position deutlicher zu machen. Sowohl von der Senatsmehrheit wie von der Studentenschaft ist zu erwarten, dass sie gegen Studiengebühren mobilisieren werden. Mit der Beschaulichkeit der ersten 100 Tage wird dann Schluss sein für Schneidewind.

Den Autor erreichen Sie unter Rheude@infoautor.de

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