BORKUM - Während draußen die Sonne vom Himmel strahlt, schwärmen SPD-Abgeordnete im Tagungszentrum „Kulturinsel“ von „Aufbruch und Optimismus“. Das Debakel bei der Landtagswahl im Januar – bei der Klausurtagung der SPD-Fraktion auf der Insel Borkum kein Thema. Die heftige Kritik an Parteichef Garrelt Duin (Hinte) und Fraktionschef Wolfgang Jüttner – fast vergessen. Das Drängen der jüngeren Abgeordneten in Führungsposten – aufgeschoben. Statt über die Generalabrechnung im Oppermann/Weil-Papier, diskutierten die 48 Abgeordneten über die künftige Arbeitsstruktur der Fraktion. Tenor: Die Aufarbeitung der Wahlniederlage sei Sache der Partei, nicht der Fraktion.

„Der Änderungsbedarf ist gering, was unsere programmatische Ausrichtung angeht“, sagt Fraktionschef Jüttner selbstbewusst. Die SPD werde sich aber nicht reduzieren lassen auf gesellschaftliche Randgruppen, fügt er mit Blick auf die Kritik der vergangenen Wochen hinzu. „Wir müssen gewährleisten, dass die wirtschaftliche Entwicklung vorankommt.“ Vor allem die Jusos um ihren Landeschef Wiard Siebels (Aurich) hatten Jüttner vorgeworfen, im Wahlkampf einseitig auf das Thema soziale Gerechtigkeit gesetzt zu haben. Eine Gruppe von jungen Abgeordneten, die sich N-13 nennt, drängt auf einen Neuanfang. „Wir wollen nicht nur sitzen und Opposition machen“, sagt Duin kämpferisch.

Bei der dreitägigen Klausur auf Borkum stehen auf dem Papier klassische sozialdemokratische Themen im Vordergrund. Götz von Einem, Geschäftsführer der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, referiert über die „Zukunft der Jobzentren“. Auch die Verwaltungsreform ist ein Thema. Eigentlich geht es im Raum „Störtebeker“ aber darum, die Fraktion zusammenzuschweißen. 21 Abgeordnete sind neu im Landtag. Nach der Beratungen der sechs Arbeitsgruppen machen sie Vorschläge. Die Öffentlichkeitsarbeit soll geändert, Arbeitskreise für alle geöffnet werden. Die Strategie der Fraktionsführung wirkt, die Stimmung ist besser als die Lage. „Wir wollen arbeiten und den Blick nach vorne richten“, sagt Fraktionsvize Johanne Modder (Bunde). Es herrsche ein „Jetzt erst recht-Mentalität“, erklärt die Abgeordnete Swantje Hartmann (Delmenhorst). Die Niederlage schweiße zusammen, sagt ein anderes Mitglied. Von einem „guten Anfang“ spricht Hans-Dieter Haase (Emden). Er erinnert sich wie viele noch an die

Klausur auf Norderney nach der Wahlniederlage 2003. Damals sei Trübsal geblasen worden.

Einige Arbeitsgruppen erweisen sich als äußerst kreativ. Irgendwer hat die Idee, die SPD mit einer Jazz-Band zu vergleichen, in der es viele gute Musiker gibt, in der Solisten ins Rampenlicht treten, um sich dann wieder einzureihen. Nach der Kaffeepause mit Bienenstich und Mohnkuchen sitzen die Abgeordneten dann nur noch kurz zusammen.

Sonne und Strand locken.