Osnabrück - Botschafter sollen ihre Heimat in der Fremde vertreten. Was in der großen internationalen Politik funktioniert, könnte auch im Kleinen klappen, dachten sich vor gut 50 Jahren die Osnabrücker und riefen Mitte der 60er Jahre die Institution der Städtebotschafter ins Leben. Junge Menschen aus Osnabrück gehen für ein Jahr in eine Partnerkommune und vertreten dort ihre Stadt.
1964 schloss der Osnabrücker Rat Partnerschaftsverträge mit dem niederländischen Haarlem und dem französischen Angers. 1965 ging der erste Osnabrücker Städtebotschafter nach Angers, seit 1967 gibt es einen regelmäßigen Austausch zwischen Osnabrück und der westfranzösischen Stadt.
Die Idee war seinerzeit, zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ein Signal der Aussöhnung zu senden. Die Folgen der Städtepartnerschaft spüre er bei jedem Besuch in den befreundeten Städten, sagt Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). „Wenn ich in unseren Partnerstädten bin, treffe ich jüngere und ältere Leute, die alle in Osnabrück waren, die Deutsch können, und die uns helfen.“
In Osnabrück arbeiten fünf Städtebotschafter aus dem türkischen Çanakkale, Angers, Haarlem, dem englischen Derby und dem russischen Twer. Osnabrück selber hat Städtebotschafter nach Frankreich, England, Russland und in die Türkei entsandt. Für Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren bedeute das eine Gelegenheit, ein Jahr im Ausland in einem vielfältigen Beruf zu verbringen, sagt der Leiter des Städtepartnerschaftsbüros, Jens Koopmann. Angestellt sind die Städtebotschafter für ein Jahr bei ihren Gaststädten.
Die Städtebotschafter sollen die bestehenden Kontakte pflegen und erhalten, aber auch neue Kontakte herstellen. Zu ihrem Aufgabenkatalog gehört unter anderem, Schulen, Jugendgruppen, Vereine oder Betriebe zu beraten, Bürgerreisen in die jeweilige Partnerstadt zu organisieren, Gäste zu empfangen und zu betreuen oder in die Schulen zu gehen und aus ihrer Heimat zu berichten. „Man kriegt das ganze Leben einer Stadt mit“, sagt Koopmann.
Derzeit gibt es mehr als 7100 Städtepartnerschaften deutscher Kommunen. „Sie sind ein wichtiger Garant für die Europäischen Union“, sagt Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.
