Braunschweig/Hannover - Braunschweig mutiert zur Polizeistadt an diesem Wochenende: Ein großes Sicherheitsaufgebot sichert den AfD-Landesparteitag in der Stadthalle. Zeitgleich zeigen linke Demonstranten und rechte Ewiggestrige Flagge. Die rechtsextremistische NPD will mit einem Aufmarsch zum „Tag der deutschen Zukunft“ der AfD den Rücken stärken und das „Bündnis gegen Rechts“ sowie Linksfraktion nehmen den nationalistischen und ausländerfeindlichen Flügel der AfD ins Visier. Drinnen suchen die Rechtspopulisten nach einer neuen Führung. Die AfD Niedersachsen gilt als der chaotischste Landesverband, dessen Vorstand von der Bundespartei entmachtet und durch einen „Notvorstand“ ersetzt wurde. Ein Krawall-Parteitag draußen wie drinnen.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der abgesetzte Landeschef und Bundestagsabgeordnete Armin Paul Hampel (60), der dem rechtsnationalen Flügel zugerechnet wird. Hampel (Spitzname: „Diktator“) tritt wieder an, nachdem er sich mit nahezu allen der rund 30 Kreisverbänden überworfen hat. Seitdem toben Schlammschlachten mit Denunziation, Strafanzeigen und Hausdurchsuchung bei Hampel wegen dessen Finanzgebarens. Die Kassenlage ist desaströs und Insider beklagen die hohen Ausgaben für „Alkohol und Verpflegung des Vorstands“.

Dana Guth (47) sieht sich als Retterin. Die Chefin der Landtagsfraktion gehört zur Riege der erklärten Hampel-Gegner. Im Gegensatz zum lautstarken Ex-ARD-Korrespondenten führt die Göttingerin bisher die Landtagsfraktion äußerst seriös. „Zahnlos“, nörgeln Kritiker.

Oder haben die Bundestagabgeordneten Jörn König (Hannover) und Dietmar Friedhoff (Neustadt a.R.) bessere Karten? Der einstige Hampel-Spezi König hat sich von seinem Kampfgefährten abgewandt und könnte eher aus taktischen Gründen ins Rennen gehen, um am Ende zugunsten Guths zurückzuziehen. Friedhoff selbst sieht sich als „Neuanfang“. Er wirft Hampel diktatorische Züge vor und auch König und Guth seien durch die innerparteilichen Kämpfe beschädigt. Friedhoff dagegen will mit der AfD Niedersachsen „Deutschland retten“. Denn: „Wenn wir es nicht schaffen, ist es vorbei.“ Wirklich? Innenminister Boris Pistorius (SPD) macht sich längst für einen kritischen Blick des Verfassungsschutzes stark angesichts „rassistischer und völkischer Äußerungen“ von Teilen der AfD.