BRAUNSCHWEIG - Die Grünen setzen als Ziel: bis 2020 ein Viertel der Energie aus erneuerbaren Quellen.

Von marco seng,

Redaktion hannover

BRAUNSCHWEIG - „Ihr könnt ruhig bei meiner letzten Rede noch einmal klatschen“, feuert die scheidende Grünen-Landeschefin Brigitte Pothmer die 149 Delegierten in der Braunschweiger Stadthalle an. Mehr als einen müden Applaus kann sie damit zunächst nicht provozieren. Fünf Parteitage innerhalb von zwölf Monaten und die Bundestagswahl haben Spuren bei der Öko-Partei hinterlassen. Dabei geht es in der Löwen-Stadt um viel. Eine neue Parteichefin wird gesucht. Pothmer muss den Posten nach zweieinhalb Jahren räumen, weil sie dem neuen Bundestag angehört. Die Parteisatzung will es so.

Nur zwei Kandidatinnen haben sich gemeldet. Susanne Leifheit aus Königslutter und Anja Piel aus Hameln. Nach einer Ochsentour durch die Kreisverbände gilt Leifheit am Sonnabend als leichte Favoritin. Die promovierte Chemikerin wird vor allem von den Realos und der Landtags-Fraktion unterstützt. Linke und Grüne Jugend möchten dagegen lieber Piel an der Seite von Co-Chef Raimund Nowak sehen. Die starken Kreisverbände Hannover und Oldenburg stehen hinter der Kandidatin aus Königslutter.

Und die Absprachen halten. Leifheit setzt sich schon im ersten Wahlgang mit 57 gegen 40 Stimmen durch. Auch die eher schwache Bewerbungsrede, gezielte Attacken ihrer Gegner in der Aussprache und kleine Pannen können das nicht verhindern. „Ich rede nicht immer so, als ob ich drei Flaschen Whisky getrunken hätte“, entschuldigt sich die verschnupfte Leifheit vor ihrer Rede. Die letzte Seite ihres Manuskripts hat sie am Platz vergessen. Gelächter im Saal. Piel spricht freier, engagiert. Doch es hilft nichts.

Für die richtige Betriebstemperatur im Saal sorgen andere: Pothmer, die mit Ovationen und einem Stehtisch als Geschenk verabschiedet wird. Oder der Fraktionschef im Bundestag, Fritz Kuhn, der als Gastredner die Große Koalition in Berlin scharf angreift. Und Franz Alt, Öko-Fundamentalist, der die Verkehrs- und Agrarwende fordert und Nobelkarossen von VW als Spritfresser beschimpft.

Die Große Koalition habe keine großen Ideen, meckert Pothmer, „Reformen werden vertagt.“ Kuhn schlägt in die gleiche Kerbe. „Die große Koalition ist eine Koalition der großen Orientierungslosigkeit.“ Nur bei der Frage künftiger Bündnisse in Bund und Land sind sich Pothmer und Kuhn offenbar nicht ganz einig. Es gebe keinen Lagerautomatismus, meint die Ex-Parteichefin. Sie hält Schwarz-grüne Koalitionen für genauso denkbar wie ein Rot-rot-grünes Bündnis mit der Linkspartei. Kuhn dagegen sieht bei der CDU ein Modernisierungsdefizit.

Am Ende beschließen die Grünen den Leitantrag. Im Jahr 2020 soll ein Viertel der Energieversorgung, der Wärmenutzung und des Kraftstoffverbrauchs in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt werden.