BREMEN/ - Bei Unfällen mit Munition starben von 1945 bis 1985 Umweltschützern zufolge mindestens 283 Menschen an der deutschen Nord- und Ostseeküste. Mindestens 298 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, heißt es in einer neuen Studie der Umweltorganisation Aktionskonferenz Nordsee (AKN) in Bremen.

Risiken gingen den Angaben zufolge nicht nur von versenkten Altlasten aus den beiden Weltkriegen aus, sagte der Koblenzer Meeresbiologe und Verfasser der Studie, Stefan Nehring am Dienstag. Neue Gefahrenquellen stellten auch Munitionsreste von Bundeswehr, Nationaler Volksarmee der DDR, sowjetischer Armee und der NATO dar.

Noch immer liegen laut Nehring mindestens 300 000 Tonnen militärischer Altlasten aus beiden Weltkriegen vor der Küste Niedersachsens und 100 000 Tonnen vor Schleswig-Holstein. Den letzten tödlichen Unfall habe es in der Nordsee 1985 bei Helgoland mit einem von der NATO für die Minenräumung verwendeten Sprenggreifer gegeben. Allein 1984 und 1985 seien mindestens 36 dieser explosiven Sprengkörper von der deutschen Marine auf nicht genau bekannten Positionen in Nord- und Ostsee verloren gegangen.

Der Meeresbiologe geht von einer hohen Dunkelziffer bei Unfällen aus, da viele Verletzungen von Sporttauchern oder Phosphorunfälle in der Fischerei nicht ausreichend dokumentiert seien.

„Bis heute haben die Behörden keine Konzepte für den Umgang mit diesem Problem und verschweigen die Gefahren“, warnte Nehring. So sei weiterhin in vielen Munitionsgebieten das Fischen und in Phosphor-Problemgebieten das Bernsteinsammeln erlaubt. Zum Schutz von Touristen vor gefährlichem Strandgut solle dies etwa in Usedom (Mecklenburg-Vorpommern), Laboe (Schleswig-Holstein) und in Tossens (Kreis Wesermarsch) verboten werden.