BREMEN - BREMEN/DPA - Sechs Wochen vor der bundesweit einzigen Landtagswahl 2007 in Bremen wird die Auseinandersetzung zwischen den Spitzenkandidaten der Regierungskoalition von SPD und CDU schärfer. SPD-Regierungschef Jens Böhrnsen und sein Stellvertreter Thomas Röwekamp (CDU) lieferten sich am späten Mittwochabend einen Schlagabtausch über die Sozialpolitik in der Hansestadt. „Wir werden das Sozialressort einmal völlig durchschütteln müssen. Das Ressort ist eine riesige Baustelle“, sagte Röwekamp. Böhrnsen warf seinem Herausforderer Polemik vor. In Bremen wird am 13. Mai ein neues Parlament gewählt.

Er habe im CDU-Programm keine konkreten Hinweise für eine Sozialpolitik finden können, sagte Böhrnsen. Es bestehe der Verdacht, dass auch eine Menge Taktik mitspiele, so wie die CDU mit der Sozialpolitik umgehe. Er habe sich damals als Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten der Union erwehren müssen, wenn es um Einschnitte bei der Sozialpolitik ging. Böhrnsen wurde Ende 2005 Nachfolger von Henning Scherf als Regierungschef in der Großen Koalition des kleinsten Bundeslandes.

Das SPD-geführte Sozialressort war nach dem tragischen Tod des kleinen Kevin im Oktober 2006 massiv in Kritik geraten. Schnell wurden gravierende Mängel in der Behörde bekannt, die in den vergangenen Monaten von einem Untersuchungsausschuss unter die Lupe genommen wurden.

„Die CDU hat die Sozialpolitik nie als Steinbruch betrachtet“, konterte Röwekamp die Vorwürfe. Beide Spitzenkandidaten machten auf die großen Probleme in der Stadt aufmerksam. Böhrnsen: „Wir sind die Stadt mit der zweithöchsten Millionärsdichte, wir sind aber auch die Stadt mit der höchsten Kinderarmut.“ Aus Kindertagesstätten werde ihm berichtet, dass montags oder auch nach den Ferien mehr Essen gekocht werden müsse, weil Kinder an den freien Tagen zu Hause nicht genug zu essen bekämen. „Ich biete Ihnen konkret an, dass die CDU das Sozialressort übernimmt“, sagte Röwekamp, der als Spitzenkandidat der CDU für eine Fortsetzung der seit Mitte der 90er Jahre regierenden Großen Koalition in der Hansestadt plädiert. Sein SPD-Kontrahent will sich allerdings nicht festlegen. „Ich arbeite dafür, dass die SPD ein gutes Ergebnis erzielt“, sagte Böhrnsen. Eine Koalitionsaussage wollen die Sozialdemokraten nicht treffen.