Oldenburg/Im Nordwesten - „Das sind ganz normale Themen“, sagt Tim Krenzel über den Inhalt der Mails, die sich die Gefangenen mit den Polizisten seit kurzem hin und herschicken. Über das Wetter, das Essen, den Gefängnisalltag. „Oder warum man Polizist geworden ist, zum Beispiel“, sagt Krenzel.

„Crimeic“ heißt das Projekt, das Polizist und Gefangenen zu „Ansprechpartner, Brieffreund und sozialem Kontakt nach draußen“ machen soll. Seit dem 6. November können sich zehn Polizeischüler, darunter auch Oldenburger, mit Häftlingen der JVA Wolfenbüttel über eine Plattform austauschen – in der Regel einmal die Woche. Die Kontakte sollen „stabilisierend wirken und helfen, die vielfältigen Eindrücke der Haft zu verarbeiten“.

Die Gefangenen sollen beim Briefwechsel lernen, dass Polizisten „keine Feinde sind“, sondern Menschen, die sich um andere „am Rande der Gesellschaft kümmern“. Zu viel persönliches ist verboten. Die genaue Identität der Beamten soll beim Briefwechsel geheim bleiben. Die Korrespondenz der Gefangenen wird wissenschaftlich ausgewertet. Man wolle erfahren, welche Themen die Inhaftierten hinter Gittern bewegen.

„Wenn die Polizei neue Wege geht, ist das in Ordnung. Für die JVA Oldenburg kommt das nicht infrage“, sagt Gerd Koop, Oldenburger Gefängnis-Leiter. Der Umgang mit den Gefangenen in seiner Anstalt sei geprägt von klaren Regeln zu Nähe und Distanz. Freundschaften zum Personal sollen während der Haft nicht entstehen. „Damit die Rollenklarheit nicht gefährdet wird“, sagt Koop.