CäCILIENGRODEN - Am 30. August 1996 protestierten Bürger gegen den von Naturschützern erwirkten Stopp der Deicherhöhung. Zum zehnten Jahrestag werden heute erneut Fackeln entzündet.

von ulrich schönborn,

redaktion jever

CÄCILIENGRODEN - Ein imposantes Bild bot sich dem Betrachter am 30. August 1996 auf dem Deich zwischen Cäciliengroden und Dangast im Landkreis Friesland. Rund 12 500 Menschen hatten in der Abenddämmerung Fackeln entzündet und sich auf dem Deich verteilt. Schweigend und in fast besinnlicher Atmosphäre demonstrierten sie für den Küstenschutz.

Auslöser für die eindrucksvolle Großdemonstration war ein handfester Streit zwischen Küsten- und Naturschützern über die Deicherhöhung, die bereits 1992 in Mariensiel bei Wilhelmshaven begonnen hatte.

Als die Baustelle Cäciliengroden erreicht hatte, erwirkten Naturschützer vor Gericht einen Baustopp. Der BUND als federführender Verband wollte mit der Klage eigenen Angaben zufolge umweltschonende Deichbaumethoden durchsetzen und durch einen Neubau landseits der bereits bestehenden Deichlinie Eingriffe in die Salzwiesen verhindern.

Die Küstenbewohner sahen sich in ihrer Sicherheit bedroht – und setzten sich mit der geballten Kraft örtlicher Kommunen, Politiker, des Deichbandes und sogar der Kirche im Rücken gegen die Gerichtsentscheidung zur Wehr. Und das mit Erfolg: 1997 schlossen die Naturschützer und die damalige Bezirksregierung einen Vergleich, der vor allem Ausgleichsmaßnahmen für die Überbauung der Salzwiesen beinhaltete.

Obwohl die Deicherhöhung auf dem sechs Kilometer langen Abschnitt entlang des Jadebusens inzwischen längst abgeschlossen ist, halten die Anlieger die Erinnerung an die Protestaktion weiter wach. Jedes Jahr wird am 30. August am Standort der ehemaligen Baubude an der Fritz-Erler-Straße in Cäciliengroden ein Deichgottesdienst gefeiert.

Zum zehnten Jahrestag der Mahnwache ist dort heute eine besondere Gedenkveranstaltung geplant: um 19 Uhr beginnt ein Gedenkgottesdienst, um 21 Uhr sollen erneut Fackeln entzündet werden.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht jedoch die Enthüllung der „Koyer“-Skulptur aus der Werkstatt der ostfriesischen Bildhauer H. C. und Anders Petersen. Die lebensgroße Bronze-Figur, die von Sponsoren finanziert wurde, zeigt einen Deich-Arbeiter, der – auf einer Stele sitzend – nach getaner Arbeit auf sein Werk blickt.

„Die Koyer-Figur drückt Zufriedenheit über das Geleistete aus, blickt aber auch wachsam auf den Deich, damit die Menschen dahinter nachts ruhig schlafen können“, sagt der Künstler H. C. Petersen.