Seit der Atomkatastrophe von Japan reagiert die deutsche Öffentlichkeit besonders sensibel auf Nachrichten, die mit der Kernenergie zu tun haben. Dazu gehört auch die neueste Hiobsbotschaft aus dem maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel. Vor einer Einlagerungskammer in 750 Meter Tiefe wurden deutlich erhöhte Cäsium-Werte gemessen. Das ist nicht wirklich verwunderlich, zeigt aber einmal mehr die Brisanz der Lage.
In der Asse läuft die Zeit davon. Die Experten garantieren für das ehemalige Salzbergwerk nur noch eine Standfestigkeit bis zum Jahre 2020. Danach könnten die Stollen jederzeit einstürzen und die 126 000 Atommüll-Fässer unter sich begraben mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt. Der Berg hat sich in den vergangenen Jahren bereits gewaltig bewegt. Dazu kommt die Gefahr, dass die Asse wie die Nachbarbergwerke durch eindringendes Wasser einfach absäuft. Auch dann wäre es vorbei mit den ehrgeizigen Plänen, die Giftfässer herauszuholen und in ein Endlager zu bringen.
Nach dem langen Streit um die Verursacher des Asse-Desasters muss es jetzt endlich um schnelle und sichere Lösungen gehen. Die Pläne für das Herausholen liegen längst auf dem Tisch, sie müssen nur noch vom Landesumweltministerium genehmigt werden. Doch stattdessen schieben Land, Bund und Bundesamt für Strahlenschutz den Schwarzen Peter hin und her, werfen sich gegenseitig Verzögerungstaktik vor. Dabei geht es um politische Farbenlehre und das Drücken vor der Verantwortung. Vielleicht fehlt am Ende aber auch der politische Wille, um die komplizierte und teure Bergung wirklich anzugehen. Das wirft die Landtags-Opposition zumindest Umweltminister Hans-Heinrich Sander vor.
Immerhin gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Das Land will vielleicht in der kommenden Woche die Probebohrungen in der Asse genehmigen. Dann könnte das Bundesamt für Strahlenschutz herausfinden, wie es wirklich in den Kammern des Schreckens aussieht. Die erhöhten Cäsium-Werte lassen nichts Gutes ahnen. Es geht schließlich auch um den Schutz der Mitarbeiter und die Ängste der Anwohner. Die Zeit drängt.
