CELLE - Wer beim SPD-Landesparteitag in Celle Krawall erwartet hat, sieht sich getäuscht. Die Parteiführung gibt sich nach den Reibereien versöhnlich. Auch die Basis zeigt sich in der Congress Union lammfromm. Die Kandidatenliste für die Bundestagswahl wird von fast allen Delegierten abgenickt. Auch die Streithähne um die Spitzenplätze wie Landeschef Garrelt Duin (Hinte) und Braunschweigs Bezirkschef Sigmar Gabriel freuen sich über mehr als 90 Prozent Zustimmung.

„Wir arbeiten in Vorstand und Präsidium gut zusammen“, ruft Duin den rund 190 Delegierten zu. Auch wenn der Weg manchmal steinig sei und Schlaglöcher habe. Duin wirkt entschlossen. Für seine 30-Minuten-Rede bekommt er am Ende von vielen Genossen stehenden Applaus. Das war nach den jüngsten Grabenkämpfen zwischen den Bezirken um Listenplätze und Parteistruktur nicht unbedingt zu erwarten.

Duin und er seien Mitglieder im „Verein für klare Aussprachen“, beschwichtigt auch Gabriel. Es sei schon möglich, dass man sich in Einzelfragen mal „in die Köppe“ kriege. „Trotzdem ist er ein guter Landesvorsitzender“, lobt der Bundesumweltminister den Bezirkschef von Weser-Ems. Eine Woche zuvor hat Gabriel noch indirekt Listenplatz eins für sich reklamiert und Duin verhöhnt. Jetzt rangiert er freiwillig auf 24. Es gilt allerdings als relativ sicher, dass Gabriel seinen Wahlkreis Wolfenbüttel/Salzgitter direkt gewinnt und wieder in den Bundestag einziehen wird.

Gabriel erhält 93,6 Prozent der Delegiertenstimmen. Er habe Kandidaten mit weniger guten Aussichten auf ein Bundestagsmandat den Vortritt auf der Landesliste lassen wollen, begründet er seinen Schritt offiziell. Duin wird mit 89,8 Prozent auf den Spitzenplatz gewählt. Auf Platz zwei und drei folgen Edelgard Bulmahn (Hannover) und Hubertus Heil (Braunschweig). Bei der Bundestagswahl 2005 kamen über die Landesliste Niedersachsen lediglich zwei SPD-Abgeordnete in den Bundestag. Die Partei eroberte jedoch 25 von insgesamt 29 Direktmandaten. Auf chancenreichen Listen stehen aus Weser-Ems unter anderem noch Karin Evers-Meyer, Holger Ortel, Martin Schwanholz, Gabriele Groneberg, Dieter Steinecke und Gesine Multhaupt.

In Celle greifen die Sozialdemokraten vor allem die Steuersenkungspläne von Union und FDP scharf an. „Wer Steuersenkungen in dieser Zeit verspricht, der belügt die Menschen“, sagt Bundestagsfraktionschef Peter Struck. Der 65-Jährige, der sich in den politischen Ruhestand verabschiedet, wird von den Delegierten mit viel Applaus gefeiert. Duin kritisiert die Schulpolitik der CDU/FDP-Landesregierung. Bei der Unterrichtsversorgung werde „Augenwischerei“ betrieben. Duin fordert indirekt den Rücktritt von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU).

„Die SPD in Niedersachsen bleibt tief zerstritten“, so CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen). Der Versuch, den Konflikt zwischen Duin und Gabriel notdürftig zuzukleistern, sei misslungen.