Die Bundeswehr ist in Not. Das ist nicht neu. Seit ihrer Gründung vor mehr als 50 Jahren erhielt sie weniger Geld, als zur Erfüllung des ihr von der Bundesregierung erteilten Auftrags nötig gewesen wäre. Sie musste sich ans Durchwursteln gewöhnen. Das war schon so, als sie zur Zeit der Teilung Deutschlands einen Umfang von knapp 500 000 Mann hatte, und dabei bleibt es, wenn jetzt mit der Abschaffung der Wehrpflicht eine weitere Schrumpfung von 250 000 auf nur noch 185 000 Mann folgt.

Noch bevor dieser Beschluss umgesetzt ist, weiß man, dass auch dafür zu wenig Geld bereitgestellt wird, denn der Verteidigungshaushalt soll bis 2015 um weitere 8,3 Milliarden Euro gekürzt werden. Dann aber reicht das Geld nicht für 185 000 Mann, sondern höchstens für 158 000 Soldaten.

Das ist quasi amtlich, nachdem die „Bild“-Zeitung ein vertrauliches Dokument veröffentlicht hat, in dem das Verteidigungsministerium die Bundesregierung auf die Folgen ihrer Kürzung des Verteidigungsetats hinweist. Dazu gehört, dass Verpflichtungen, die die Bundesregierung der NATO gegenüber eingegangen ist, nicht mehr erfüllt werden können. Allenfalls ein Auslandseinsatz, statt wie derzeit mehrere, wird dann noch möglich sein. Die Marine wird sich nicht einmal mehr an der Piratenbekämpfung im Roten Meer so wie bisher beteiligen können. Damit verliert die Bundesrepublik ihren bisherigen Einfluss auf die Entscheidungen der Allianz. Nicht einmal die verbliebene Restfähigkeit zum Heimatschutz, also zur Selbstverteidigung, bleibt erhalten.

Das ist eine objektiv schwerwiegende Verschlechterung unserer Sicherheitslage. Subjektiv aber dürften sich die meisten davon nicht betroffen fühlen. Niemand fühlt sich in Deutschland militärisch bedroht, und stolz sind die Deutschen auf ihre „schimmernde Wehr“ schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, mancher wird sich freuen, weil mit dem Abbau der Bundeswehr ihre Beteiligung an internationalen Einsätzen wie Afghanistan eingestellt werden muss. Das heißt: Kein Politiker, keine Regierung muss befürchten, Wahlen deshalb zu verlieren, weil die Bundeswehr weiter gegen Null reduziert wird – eher trifft das Gegenteil zu.

Hinter dieser Haltung werden als Motive nicht nur Desinteresse und Antipathie gegenüber allem Militärischen sichtbar, sondern auch der Wunsch, sich aus allen Konflikten jenseits unserer Grenzen herauszuhalten. Es ist die Neigung, den Kopf in den Sand zu stecken so wie der Vogel Strauß, in der Hoffnung, dass man von Konflikten, die man ignoriert, verschont bleibt.

Menschlich ist diese Haltung nicht nur gut verständlich, sondern auch sympathischer als die Absicht, sich möglichst überall militärisch einzumischen. Politisch aber ignoriert sie die Wirklichkeit. Deutschland ist Teil eines Bündnisses, von dessen Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln gerade dann, wenn es gefährlich wird, die Sicherheit aller Partner abhängt.

Deshalb muss Deutschland Streitkräfte unterhalten, die seiner Potenz als größtem europäischen NATO-Land entspricht. Ein Platz zwischen den Streitkräften Luxemburgs und der Niederlande reicht dazu nicht aus.