DELMENHORST - Eine Iran-Studienreise mit Präsidentenbesuch bringt den frisch gekürten Kandidaten der Delmenhorster FDP für die Landtagswahl 2013, Claus Hübscher, in Erklärungsnöte. Bereits am späten Dienstagabend wurde der Besuch der deutschen Reisegruppe bei Mahmud Ahmadinedschad, der der 65-Jährige angehörte, auf diversen Internetseiten aufs Schärfste verurteilt. Hübscher, von 2004 bis 2008 Geschäftsführer der Delmenhorster Volkshochschule, sieht seine Iran-Studienreise als Privatangelegenheit an.

Dennoch betont das Mitglied des Delmenhorster FDP-Vorstandes, dass die Partei Kenntnis von seinen Reiseplänen gehabt habe. Ein Besuch bei dem Holocaust-Leugner Ahmadinedschad habe bei Reiseantritt nicht zur Diskussion gestanden. Diesen habe Yavuz Özuguz, Vorsitzender der Delmenhorster schiitischen Gemeinde und des bundesweiten Vereins „Islamischer Weg“, eingefädelt. „Mein Bruder und meine Wenigkeit genießen im Iran ein hohes Ansehen“, sagt Özuguz, der gemeinsam mit seiner Frau die Reise begleitet hat.

Özuguz betreibt von Delmenhorst aus das vom Verfassungsschutz beobachtete Internetportal „Muslim-Markt“. Das Portal kam vor kurzem wegen antisemitischer Äußerungen in die Kritik. Auf Hübscher hat der eineinhalbstündige Austausch mit dem iranischen Präsidenten ganz offensichtlich großen Eindruck gemacht. Die von Ahmadinedschad gemachte Versicherung, er würde niemals eine geschichtliche Wahrheit wie den Holocaust bestreiten, fand Hübscher jedenfalls absolut glaubwürdig. „Die FDP ist keine antisemitische Partei, das ist selbstverständlich.“

Für viele, die Hübscher seit Jahren kennen, kommt die Entwicklung unerwartet. „Ich bin irritiert. Wir haben Herrn Hübscher um eine Stellungnahme gebeten“, sagt Dr. Norbert Boese, Vorsitzender des Freundeskreises der jüdischen Gemeinde Delmenhorst, in der Hübscher Mitglied ist. Auch Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst äußert sich kritisch: „Es ist unsäglich, dass Herr Hübscher diese Reise unternommen hat.“