Das Problem der FDP hat einen Namen: Guido Westerwelle. Der Noch-Parteichef der Liberalen kann derzeit tun und lassen, was er will – die Leute verübeln es ihm. Sagt er nichts, hätte er reden sollen. Spricht er, hätte er besser geschwiegen. Wenn es in Kabarettveranstaltungen genügt, nur seinen Namen zu nennen, um Heiterkeit auszulösen, dann spricht das Bände über sein Ansehen. Die Zahlen im Politbarometer, ermittelt von der Forschungsgruppe Wahlen, zeigen das Ausmaß des Ansehensverlustes.

Und mit ihrem amtierenden Vorsitzenden rauscht die FDP hinab in den Meinungs-Keller. Selbst die Aussicht, dass mit Philipp Rösler ein interessanter Nachfolger bereitsteht, vermag dies nicht zu kompensieren. Zwei von drei Befragten sind der Ansicht, dass die Liberalen auch in der Regierung auf einen Personalwechsel hätten setzen müssen. Unschwer zu erraten, wer zuallererst gemeint ist.

Doch Westerwelle war zum Verzicht auf den Parteivorsitz nur bereit, weil er Außenminister bleiben durfte. Einzig die Stellvertretung der Kanzlerin, den nicht vorhandenen Titel des sogenannten Vize-Kanzlers, opferte er leichten Herzens. Doch die Bürgerinnen und Bürger haben den faulen Kompromiss durchschaut, sie wollen mehr. Der FDP kann ein glanzvolles Comeback mit der bisherigen Mannschaft nicht gelingen. Ab jetzt geht es ums Überleben, die Fünf-Prozent-Hürde ist zukünftig das Maß aller Dinge.

Von der Öffentlichkeit wenig geliebt, aber im Amt ein konsequenter und durchaus erfolgreicher Kämpfer für liberale Politik ist Wirtschaftsminister Brüderle, den Philipp Rösler nur zu gern beerbt hätte. Doch Brüderle ist ein gewiefter Polit-Stratege, der in den eigenen Reihen durchaus Rückhalt genießt. Von vielen unbemerkt, war es ihm in der Diskussion um die Hartz-IV-Sätze gelungen, die weit darüber hinaus reichenden Forderungen der Sozialdemokraten in der Beschäftigungspolitik zu verhindern – angeblich sogar mit seiner Rücktrittsdrohung. Arbeitsministerin von der Leyen, die die Wünsche der SPD bereits abgenickt hatte, wurde daraufhin von der Bundeskanzlerin wieder auf Koalitionskurs gebracht. Brüderle – nicht populär, aber effektiv. Westerwelle ist davon noch so weit entfernt wie seine Partei vom letzten Ergebnis der Bundestagswahl.