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FRAGE:
Die Frauen in der Berliner SPD wollen eine Frau an der Spitze der Landesliste für die Bundestagswahl 2013 sehen. Ist die Frage nach dem Geschlecht denn eigentlich noch zeitgemäß?
HÖGL
: Ehrlich gesagt würde ich mich auch freuen, wenn das keine Frage mehr wäre. Aber das setzt voraus, dass es auf ganz normalem Weg eine ausreichende Repräsentanz von Frauen und Männern in der Gesellschaft gibt. Solange das nicht automatisch funktioniert, müssen wir mit Quoten arbeiten. Und die hilft den tollen Frauen, die wir haben, in die entsprechenden Positionen zu kommen. In Berlin sind wir ganz weit – aber auch nicht so weit, dass es nichts mehr zu kritisieren gäbe. Bei unserer Wahl im September musste ich sehr engagiert auftreten, um auch zu erreichen, dass Frauen Spitzenpositionen wie Senatorin und Staatssekretärin einnehmen.
FRAGE:
Wie schätzen Sie denn Ihre Chancen ein, Wolfgang Thierse als Nummer Eins auf der Landesliste verdrängen zu können?
HÖGL
: Das letzte Mal hatten wir 2002 eine Spitzenkandidatin mit Christine Bergmann, und ich finde einfach, dass es jetzt ein gutes Zeichen wäre, wieder auf eine Frau zu setzen. Im Dezember haben wir auf dem Bundesparteitag beschlossen, dass unsere Listen im Reißverschlussverfahren besetzt werden müssen – und ich finde nicht, dass an erster Stelle immer ein Mann sein muss. In Niedersachsen haben wir auch Olaf Lies und Stephan Weil, aber wo sind die guten Frauen, die wir hier auch haben?
FRAGE:
Im Vergleich zu anderen Parteien scheint die SPD in dieser Frage etwas zurückzuliegen. . .
HÖGL
: Wenn Sie uns mit den Grünen vergleichen, ja – die machen das tatsächlich konsequenter. Das gehört auch zu ihrem Profil. Dass die CDU eine Kanzlerin an der Spitze hat und außerdem viele Frauen im Kabinett, zieht viele Wählerinnen an. Ich glaube, dass Frauen auf so etwas achten. Wir wurden von Frauen immer gut gewählt, aber in letzter Zeit hat das etwas nachgelassen. Aus diesem Grund setze ich mich dafür ein, dass unsere guten Frauen auch an Spitzenpositionen kommen.
Eva Högl
(43) ist seit 2009 SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Berlin-Mitte. Davor war sie Europabeauftragte im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Bereits als Schülerin am Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht engagierte sie sich in der SPD.