DüSSELDORF - Gratis-Korane sollen auch an diesem Sonnabend in den Fußgängerzonen einer ganzen Reihe von Städten verteilt werden – ein Geschenk der islamistischen Salafisten. Die vom Verfassungsschutz beobachtete ex-tremistische Gruppe drängt an die Öffentlichkeit. Angeblich ist die Aktion bundesweit in etwa 30 Städten geplant, darunter in Bielefeld, Konstanz, Fulda, Bremen, Wiesbaden und Düsseldorf.

Schon vor Ostern waren die traditionell gekleideten Männer in zahlreichen Städten aktiv. 25 Millionen Exemplare wollen sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter die Leute bringen.

Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen schätzt die von dem salafistischen Prediger Abou Nagie organisierte Aktion als „aktuellsten Ausdruck der offensiven Missionierungsarbeit dieser islamistischen Strömung“ ein. Was sich vordergründig eine Verteilaktion nenne, sei in Wahrheit die Verbreitung einer islamistischen Ideologie. Im Internet nennt Abou Nagie das Geschenk an die „Nicht-Muslime“ eine „herzliche Einladung zur einzig wahren Religion, dem Islam“.

Der Drahtzieher wird als Hassprediger eingestuft. Vor dem Amtsgericht Köln ist gegen ihn Anklage erhoben worden, weil er zu Straftaten aufgerufen und andere religiöse Bekenntnisse – Christen- und Judentum – beschimpft haben soll. Der politische Salafismus gilt als ideologischer Nährboden für den internationalen Terrorismus.

Unions-Politiker verlangten bereits ein Verbot der Verteilaktion. FDP-Fraktionsvize Gisela Piltz lehnte dies am Donnerstag ab. Das Verteilen einer religiösen Schrift sei in Deutschland nicht verboten, die Religionsfreiheit „ein hohes Gut“. Auch wenn die FDP die Ziele der Propagandaaktion der salafistischen Bewegung „selbstverständlich vehement“ ablehne, gebe es für ein Verbot „keinen Raum“. Es wäre im Übrigen fatal, das Signal auszusenden, den Koran selbst in Misskredit zu bringen, warnte Piltz.

Auch der SPD-Innenpolitiker Michael Hartmann bezeichnete die Debatte als „grotesk“. In einem freien Land dürfe selbstverständlich die heilige Schrift einer Weltreligion verbreitet werden. „Ein liberaler Rechtsstaat hält dies mit Leichtigkeit aus“, sagte Hartmann.

Die Islamisten sollen bei ihrer Koranverteilung kritische Journalisten bedroht und als „Affen und Schweine“ beschimpft haben. In den bekannt gewordenen Fällen gebe es bereits strafrechtliche Ermittlungsverfahren. Nach Angaben des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) kündigten die Salafisten im Internet an, persönliche Daten von Journalisten zu veröffentlichen.