EEMSHAVEN - Trotz Protesten von Umweltschützern haben sich niederländische Kommunalpolitiker in Groningen für den Weiterbau des umstrittenen RWE-Kohlekraftwerks in Eemshaven ausgesprochen. Umweltschutzgruppen aus Ostfriesland und den Niederlanden hatten bei einer Umwelt-Ausschusssitzung der Provinz am Dienstagabend vergeblich gegen das Votum von Christ- und Sozialdemokraten demonstriert. Die Kritiker befürchteten gravierende Schäden am Ökosystem Wattenmeer, an der Ems und für den Tourismus auf den Nordseeinseln, sagte ein Sprecher in Emden.
Hintergrund ist ein Beschluss des höchsten Gerichtes der Niederlande. Es hatte Ende August Teile der Naturschutzgenehmigung für den Betrieb des Kraftwerks an der Emsmündung für Unrecht erklärt. Demnach sind die Auswirkungen für die ostfriesischen Inseln und das Weltnaturerbe Wattenmeer nicht genügend untersucht.
Die zuständigen Provinzen verzichteten jedoch auf einen Baustopp. Sie gehen davon aus, dass die RWE-Tochter Essent die Unklarheiten bei einer erneuten Beantragung der Genehmigungen ausräumen kann. RWE hatte angekündigt, neue Anträge vorzubereiten.
Umweltschützer machten bei der Sitzung erneut ihre Bedenken deutlich. „Die Abgeordneten befürchten aber bei einem Baustopp Regressforderungen der RWE“, sagte Johann Smid von der Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland in Emden.
Chancen für die Kraftwerksgegner böten sich dennoch in dem Genehmigungsverfahren, das nach dem Gerichtsentscheid neu aufgerollt werden müsse. Daran könnten sich auch Kritiker wie die Nordseeinsel Borkum beteiligen. Das Kraftwerk der RWE-Tochter Essent in Eemshaven soll das größte der Niederlande werden und einen großen Beitrag zur Stromversorgung des Landes liefern. Der Bau hatte 2009 begonnen und soll insgesamt 2,9 Milliarden Euro kosten.
Greenpeace-Aktivisten hatten die Anlage im August vorübergehend besetzt. Sie strengten zudem ein Eilverfahren für einen Baustopp an.
