Hannover - Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Niedersachsen ist auf einem historischen Höchststand und die Aufklärungsquote auf einem ebenso historischen Tiefstand – Innenminister Boris Pistorius (SPD) präsentierte am Montag mit der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik gleich zwei Negativ-Rekorde der letzten zehn Jahre. Seine tiefe Besorgnis verschweigt der Minister über diese Entwicklung keineswegs. Viele Opfer von Wohnungseinbrüchen seien später psychisch „schwer belastet“ und zehn Prozent „ziehen hinterher sogar um“, beschreibt Pistorius die Auswirkungen.
Ein Lichtblick: Rund 40 Prozent der Einbruchsversuche scheitern. Und genau an diesem Punkt will der Minister den Hebel ansetzen mit mehr Prävention und besserem Schutz von Wohnungen. Zahlen in den Niederlanden belegten eindeutig, dass massiver Schutz gegen Einbrecher zu teils erheblichen Rückgängen bei diesen Straftaten führten. Pistorius will jetzt darauf drängen, dass in Bestands- wie in Neubauten erheblich nachgerüstet wird.
Im Schnitt benötigen Profi-Einbrecher 30 Sekunden, bis sie in der Wohnung sind. Wenn nicht, folgt meist der Abbruch. Das Profil dieser Gangster: Meist gut organisierte Banden aus dem Ausland, die entlang von Autobahnen und schnellen Verkehrswegen quer durch Niedersachsen agieren. Pistorius will deshalb die Kooperation mit den Bundesländern und den benachbarten Niederlanden erheblich ausbauen und zugleich mit einer verbesserten DNA-Analyse die Aufklärungsquote anheben.
Dieser Maßnahmen-Katalog reicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) nicht. GdP-Chef Dietmar Schilff fordert mehr Polizisten auf den Straßen und mehr Personal für die Beratung der Bürger. Auch die FDP-Opposition im Landtag schlägt Alarm. „Pistorius muss endlich aufwachen“, sagt der FDP-Innenpolitiker Jan-Christoph Oetjen, der 1000 mehr Stellen bei den Polizeikräften fordert. Für die CDU-Innenexpertin Angelika Jahns zeigen die erschreckenden Zahlen der Einbruchskriminalität, „wozu die hohe Belastung der Polizei führt“. Die Unions-Politikerin plädiert ebenfalls für mehr Polizisten.
Sorgen bereiten Jahn die wachsenden Kriminalitätszahlen bei Flüchtlingen. Tatsächlich stieg die Zahl der nicht-deutschen Tatverdächtigen um 50 Prozent von fast 41 000 im Jahr 2013 auf über 64 000 im letzten Jahr. Die meisten Delikte: Diebstähle und ausländerrechtliche Vergehen wie Einreise ohne Visum. Die große Mehrheit, so Pistorius, halte sich an Recht und Gesetz in Deutschland.
