EMDEN/HANNOVER - EMDEN/HANNOVER/TEHA - Sie nannten ihn „Joke“. Mit diesem, seinem ostfriesischen Kosenamen belegten politische Freunde wie auch Gegner durchaus respektvoll den Emder Johann Bruns, auf den das Etikett sozialdemokratisches Urgestein nun wirklich passt. Am Mittwoch wurde der ehemalige SPD-Landesvorsitzende 75 Jahre alt.

Als Vermessungstechniker-Lehrling bei der Stadt Emden machte Bruns 1948 mit der Gewerkschaft Bekanntschaft – „meine erste Politisierung“, wie „Joke“ später einmal sagte. Bald wurde er Jugendsekretär im DGB, später dann Leiter der Deutsch-Niederländischen Heimvolkshochschule in Aurich, doch es dauerte einige Zeit, bis die politischen Karriere ins Laufen kam. 1970, als 38-Jähriger, wurde er in den niedersächsischen Landtag gewählt. Er gehörte dem Parlament ununterbrochen bis 1994 an. Schon 1973 wurde er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, 1990 deren Chef.

Als Landesvorsitzender der Partei – seit 1984 – hatte er maßgeblichen Anteil am Aufstieg seines Parteifreundes Gerhard Schröder, wenngleich er dessen Neigung zu Rot/Grün überhaupt nicht teilte.

1994 war für „Joke“ Schluss. Mit 62 zog er sich aus der Politik zurück.